Franz Müntefering

"Sind hier nicht hinterm Berg, sondern auf der Höhe der Zeit"

An ehrenvollen Ämtern mangelte es Franz Müntefering nie: Arbeitsminister, SPD-Vorsitzender, Vizekanzler. Seine Herkunft hat er auf dem Weg nach oben nie vergessen: „Einmal Sauerländer, immer Sauerländer“, antwortet er auf die Frage, warum ihm der Ehrentitel „Botschafter für Südwestfalen“ eine Herzenssache ist: „Auch wenn ich mich nach der Bundestagswahl aus der aktiven Berliner Politik zurückziehe, werde ich dieser großartigen Region hoffentlich etwas helfen können.“

Weitermachen – wie es gute Sauerländer Art ist

Das Präsentationsjahr 2013 der Regionale sieht der Mann mit dem Medien-Vornamen „der Sauerländer“ nicht als Abschluss, sondern als Start für eine nachhaltige Weiterentwicklung: „Ich will ermutigen, über eine Form der permanenten Zusammenarbeit nachzudenken und vielleicht 2023 als Jahr der Bilanz einer langen Strecke vorzusehen.“ Das mit der Regionale angestoßene neue Wir-Gefühl, gemeinsame Weichenstellungen für die Zukunft mit Kompetenzzentren und Wissenschafts-Schwerpunkten – so etwas sei von bleibendem Wert. „Nicht ein Jahr auf den Putz hauen, sondern weitermachen, das ist gute Sauerländer Art!“

Einer wie er spannt gern den großen Bogen

Schnell vergessen ist das in der Hauptstadt geprägte Merkmal „Er kann nur kurze Sätze“, wenn man Franz Münteferings Gedankengängen über den Blick nach vorn folgt, mit eingeschobenen Lobeshymnen auf die Heimat und Nebensätzen zu Erfolgsgarantien wie die „Mobilisierung nach innen“. Einer wie er spannt gerne den großen Bogen, weil er die Dimension erkennt, die bei den vielen Projekten und Ideen nicht aus dem Auge gelassen werden dürfe: „Wir müssen erreichen, dass unser Südwestfalen wirtschaftlich stark bleibt und mit hoher Lebensqualität für junge Menschen attraktiv ist. Die Regionale ist eine historische Chance, wir dürfen sie nicht verkleckern!“

Stärken stärken, Schwächen abbauen

Bei seinem Anstoß zum fortgesetzten Miteinander, nennen wir es „2013 plus“, schwebt Müntefering ein Diskussions- und Vorschlagsgremium vor, unter Hinzuziehung von Fachleuten außerhalb der Politik – „idealerweise mit demokratischen Strukturen“. Einen großen Mittelpunkt wie andere Regionen habe Südwestfalen nicht, doch das könne auch seinen eigenen Charme haben. Die weltoffene, in der Region verwurzelte mittelständische Industrie, die größere Nähe der Menschen zueinander, natürlich auch die schöne Landschaft: „All das spricht für uns. Mit der Regionale können wir Stärken stärken und Schwächen gezielt abbauen.“

Nicht hinterm Berg, sondern auf der Höhe der Zeit

Der Wunsch des „Botschafters“, der die Mischung der Regionale-Projekte und den Slogan „Alles echt“ echt gut findet: „Solide bleiben, aber eigene Chancen offensiv nutzen, woll. “ Aha, da kommt der Sunderner durch. „Ein bisschen Lokalkolorit ist doch gut. In einer globalisierten Welt müssen die Menschen wissen, wo sie zu Hause sind. Wir sind hier nicht hinterm Berg oder hinterm Mond, sondern auf der Höhe der Zeit.“ Da war sich der 72-Jährige schon als junger Mann sicher, als ein Plakat mit dem Müntefering-Spruch „Hinter dem Mond brennt ein Feuer“ sein Zimmer schmückte. Es brennt noch immer, und zwar nachhaltig.

Zur Person: Franz Müntefering wurde am 16. Januar 1940 in Neheim-Hüsten geboren. Von 1954 bis 1957 absolvierte er in Sundern eine Ausbildung zum Industriekaufmann. 1966 trat Müntefering in die SPD ein, 1975 rückte er in den Bundestag nach, dem er bis heute angehört. Kürzlich kündigte er an, 2013 nicht erneut für das Parlament zu kandidieren.

Quelle: Regionale-Magazin Südwestfalen (Winter 2013), Text: Bodo Zapp.