Hans-Joachim Watzke

"Na, ist ja nicht schlecht gelaufen"

Alles jubelt, einer steht abseits auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions und genießt den überglücklichen Moment. Der gestandene Mann hat Tränen in den Augen. Millionen Fernsehzuschauer werden dieses Bild des einsamen Siegers nicht vergessen. Hans-Joachim Watzke rührt die Herzen. Ein erfolgreicher Mann, ein Meister-Manager, ein Sauerländer.

„Sein“ Ballspielverein Borussia 09 Dortmund ist wie im Vorjahr Deutscher Fußballmeister, dazu jetzt Pokalsieger, die Spieler von Bayern München „dürfen“ Spalier stehen – an Tagen wie diesen ist die Welt einfach schön. Drei Titelgewinne in einem Jahr, das hätte sich der 53-Jährige aus Marsberg nicht träumen lassen, als er 2005 bei dem am Pleite-Abgrund stehenden BVB die Geschäftsführer-Position übernahm. Drei Titelgewinne? Richtig! Denn der SV Rot-Weiß Erlinghausen wurde Tabellenerster in der Bezirksliga 5, der „Bundesliga des Sauerlandes“. Dort hat Hans-Joachim Watzke 1995 das Amt des Vorsitzenden von seinem Vater geerbt. Dieser stand sage und schreibe insgesamt 33 Jahre lang an der Spitze des Heimatvereins. Vielleicht könnte der in der A-Jugend spielende 18 Jahre alte Sohn eines Tages ...

Zuverlässig, ehrlich, manchmal wortkarg

In Marsberg-Erlinghausen gründete der Mann ohne Krawattenfoto vor 22 Jahren sein Unternehmen Watex GmbH, das Feuerwehr- und Arbeitskleidung produziert. Die Ehefrau leitet mit zwei weiteren Geschäftsführern den Betrieb. Gibt es ein Geheimnis für den Erfolg? Wie ist er denn so, der Sauerländer? „Zuverlässig, ehrlich, manchmal etwas wortkarg“, meint der BVB-Chef. Gerne erzählt er die sauerländische Variante von Euphorie: „Auf Sonntagsbesuch in der Heimat, voller Stolz auf Meistertitel und Pokal, hörte ich im Lokal die höchste Anerkennung: ,Na, ist ja nicht schlecht gelaufen!‘“

Ein politisch „Schwarzer“ in der Stadt der Schwarz-Gelben

Der „Botschafter für Südwestfalen“ ist ein Macher, kein Wichtigtuer. „Geerdet, fleißig, bodenständig“ – bei den sauerländischen Tugenden sieht Hans-Joachim Watzke durchaus eine direkte Beziehung zur Erfolgswelle der Borussia. Über Südwestfalen kann man lange mit ihm reden. „Ich weiß schon, wo ich herkomme. Und das soll auch so bleiben.“ Längst hat er in Dortmund ein Haus im Grünen. Auch später, sehr viel später, „wenn mein Lebensmittelpunkt wieder mehr das Sauerland ist und mein Sohn hoffentlich die Familienfirma führt“, wird der politisch „schwarze“ Marsberger in der Stadt der Schwarz-Gelben häufig anzutreffen sein.

Echte Liebe zu BVB und Sauerland

Der BVB ist seine „echte Liebe“, so das Vereinsmotto. „Als ich 1966 mit meinem Vater zum ersten Mal nach Dortmund fuhr, war das eine kleine Weltreise, die A 44 gab es noch nicht. Von da an war für mich jedes Heimspiel große Welt.“ Ist BVB-Geschäftsführer sein Traumberuf? „Ja, ohne Wenn und Aber!“ Man muss dafür nicht wie er Betriebswirtschaft studiert haben, aber es hilft. „Du musst die Fähigkeit haben, ein Unternehmen zu führen.“ Zusätzlich sollte der Manager eigene Fußballerfahrungen mitbringen. Seine Zeit in der Westfalenliga kommt dem Freizeitläufer zugute. „Wichtig ist, dass man mit Herz dabei ist. Ich empfinde mich zu 51 Prozent als Fußballer, zu 49 Prozent als Unternehmer.“ Und zu 100 Prozent als Freund des Sauerlandes.

 

Zur Person: Hans-Joachim Watzke wurde am 21. Juni 1959 in Marsberg geboren. 1990 gründete er das Unternehmen „Watex“. 2001 übernahm Watzke als Schatzmeister seinen ersten Posten beim BVB. Nach dem Rücktritt der alten Vereinsführung wurde er im Februar 2005 zum Geschäftsführer bestellt. Watzke ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Quelle: Regionale-Magazin Südwestfalen (Sommer 2012)