Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt ist die zurzeit beste Langstreckenläuferin Deutschlands. Bei den Olympischen Spielen in London 2012, Peking 2008 und in Athen 2004 war die 30-jährige Siegerländerin auf den langen Laufdistanzen das Aushängeschild des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Warum Sabrina Mockenhaupt ihre Heimat Südwestfalen eng mit ihrer erfolgreichen sportlichen Karriere verknüpft, verrät sie im Interview.

Frau Mockenhaupt, warum leben Sie in Südwestfalen und nicht in der Nähe eines Olympiastützpunktes?

Daheim habe ich viel mehr Ruhe. Es ist nicht so hektisch und so laut wie in der Großstadt. Und für den Laufsport habe ich ideale Voraussetzungen. Das Höhenprofil der Obernautalsperre etwa passt hervorragend in mein Trainingsprogramm. Am liebsten laufe ich allein, dann kann ich die schöne Natur und Landschaft richtig genießen. Von den höchsten Punkten hat man seit Kyrill, so schlimme Folgen der Sturm auch hatte, eine tolle Aussicht.

Was unterscheidet das Leben in der Großstadt vom Land, außer der Lautstärke?

Die Metropolen sind mir persönlich zu anonym. In Südwestfalen ticken die Uhren ganz anders. Die Menschen kennen sich. Vieles wirkt familiärer. Ich habe häufig das Gefühl, dass die Welt hier noch in Ordnung ist. Ehrlich gesagt, denke ich, dass ich woanders sportlich wohl nicht so weit gekommen wäre.

Was sind die Stärken von Südwestfalen? Welche Entwicklung erwarten Sie hier?

Hier gibt es viele schöne Ecken, nicht nur für den Urlaub! Südwestfalen ist geprägt von mittelständischen Unternehmen, die eine Menge attraktiver Jobs haben. Ich glaube, dass dadurch in Zukunft mehr Menschen in die Region ziehen. Vielleicht auch, um sich dem Trubel der Großstadt zu entziehen.

Packt Sie nicht manchmal das Fernweh?

Klar packe ich gerne meine Tasche, um Neues zu entdecken. Großstädte kann ich eine Zeitlang genießen. Doch meine Reisetasche packe ich zu Hause ebenso gern wieder aus. Manche sagen zu mir, ich sei ein richtiges „Provinz-Ei“. Ja, das bin ich gerne.

Womit möchten Sie sich nach Ihrer sportlichen Laufbahn befassen?

Auf jeden Fall möchte ich dem Sport verbunden bleiben. Nach meiner Karriere könnte ich mir vorstellen, Laufreisen anzubieten. Dafür gibt es in Südwestfalen ideale Voraussetzungen. Und warum sollten Läufer dafür extra nach Andalusien reisen, wenn sie zwischen Sieg und Lippe tolle Trainings absolvieren können?

Quelle: Regionale-Magazin Südwestfalen (Dezember 2011), Interview: Stefan Rehbein