Interview mit Mohiruh und Khulkar Uzakova

Die Schwestern Mohiruh und Khulkar Uzakova kommen aus Usbekistan und leben seit einem Jahr in Südwestfalen. Im September 2017 werden die beiden ihre Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin bei der Maschinenfabrik GEORG in Kreuztal beginnen. Im Interview erzählen uns die Schwestern von ihrem neuen Leben in Deutschland und ihrem ersten Jahr in Südwestfalen...

Wie war eure Ankunft in Südwestfalen? 
Khulkar: Wir wussten nicht, dass wir nach Siegen fahren. Wir hatten keine Ahnung, wo oder was Siegen ist. Als wir hier ankamen, haben wir gemerkt, dass Siegen im Gegensatz zu Kamashi in Usbekistan, wo wir herkommen, eine kleine Stadt ist. Am Anfang war es ungewohnt, aber jetzt ist es schon normal für uns. 

Wie fühlt ihr euch hier in der Region? 
Khulkar: Hier ist es sehr ruhig und hier leben nette Leute. 

Als ihr hier angekommen seid, wurdet ihr gut unterstützt und integriert? 
Mohiruh: Ja, wir sind in Geisweid in ein Heim gezogen, wo viele Ausländer gewohnt haben. Nach sechs Monaten in dem Heim sind wir nach Burbach gezogen. Dann wurden wir vom Sozialamt in das bbz zu einer Maßnahme eingeladen, die „junge Flüchtlinge metalltechnisch qualifizieren“ heißt. Diese Maßnahme teilt sich in sechs praktische und drei theoretische Monate auf, in denen wir Einblicke in gewerbliche Berufe bekommen sollten. In dieser Maßnahme muss man auch ein dreimonatiges Praktikum in einem Betrieb machen. Unsere Betreuerin von dem bbz hat uns bei GEORG zwei Plätze organisiert. Wir wollten erst gar nicht das Praktikum machen, weil wir nicht wussten, wie die Firma ist und weil wir Angst hatten, dass wir es nicht schaffen, gut zu arbeiten, aber es hat alles gut geklappt. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren sehr nett und uns hat das Praktikum sehr gut gefallen. Nach dem Praktikum haben wir dann eine Einstiegsqualifizierung begonnen, die bis Ende August geht. Im September 2017 fangen wir dann eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin bei GEORG an. 
Khulkar: Wir sind sehr froh, dass wir hier arbeiten dürfen. Ich bin stolz, die Arbeitskleidung zu tragen. Die Kappe, die Jacke und sogar einen Handyaufkleber habe ich. 

Was hat euch am meisten geholfen, euch hier in Deutschland zu Hause zu fühlen oder ist euch noch alles fremd? 
Khulkar: Wir fühlen uns hier wohl, obwohl zwischen Usbekistan und Deutschland der Unterschied sehr groß ist. Wir finden hier alles total gut. Auch das Schulsystem und Schulprogramm ist ganz anders. Die Disziplin ist viel höher, alle melden sich in der Schule und der Unterricht ist zwar schwer für uns aber er macht Spaß. 

In welche Schule seid ihr in Usbekistan gegangen oder habt ihr schon eine Ausbildung gemacht? 
Mohiruh: Wir haben dort keine Ausbildung gemacht. Wir haben keine Grundschule, Hauptschule, Gesamtschule, Realschule oder Gymnasien wie in Deutschland. Bei uns geht die Schule von der ersten bis zur neunten Klasse und dann geht man entweder in das College oder man macht das „Lyzeum“, das ist so ähnlich wie das Abitur. Danach kann man in die Uni gehen, das geht aber nur, wenn man genügend Geld hat. Wenn nicht, muss man arbeiten gehen. 

Eine Ausbildung wie hier hättet ihr in Usbekistan also nicht machen können? 
Mohiruh: Nein, hätten wir nicht. Das ist jetzt auch das erste Mal, dass wir arbeiten und das erste Mal, dass wir das Gefühl haben, etwas geschafft zu haben. 
Khulkar: In Usbekistan haben wir noch nie gearbeitet, ich habe nur studiert und bin in die Schule gegangen und danach habe ich nichts gemacht. 

Na gut, wenn man keine Perspektiven oder Chancen hat, etwas zu lernen, dann ist man wahrscheinlich auch nicht so motiviert, oder? 
Mohiruh: Ja, wir wussten gar nicht, dass wir so motiviert sind. Wir haben jetzt erst gemerkt, dass wir so gut arbeiten können.

Gibt es noch andere Sachen, die euch hier gefallen? 
Khulkar: Wir haben verschiedene verschiedenen Abteilungen und auch Mitarbeiter kennengelernt und konnten viel Neues lernen. Das hat uns geholfen die Sprache zu verbessern. 
Mohiruh: Wir fühlen uns hier wohl, weil alle nett sind. Und wenn mich jemand motiviert und sagt „ich kann das schaffen“, dann hilft das und ich möchte dann noch viel mehr machen und erreichen. Das ist sehr wichtig. 

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Ort, in dem ihr aufgewachsen seid, und Siegen? Khulkar: Bei uns gab es keine Briefkästen, hier bekommt man zum Beispiel jeden Tag einen Brief, bei uns gab es das nicht. Zeitungen bekommt man bei euch einfach so vor die Tür gelegt, aber bei uns musste man die Zeitungen immer in einem Kiosk kaufen. Bei uns achten die Menschen auch nicht auf Ampeln. Die Lebensweise ist ganz anders. Bei euch ist alles geregelt und ordentlich usw. Hier kann man in einem Supermarkt zum Beispiel alles kaufen, was man will. In Kamashi in Usbekistan können wir eine Banane höchstens alle drei Monate kaufen. Dort sind die armen Menschen auf einer Seite und die Reichen auf der anderen, aber hier ist für alle alles möglich. 
Mohiruh: Und in Usbekistan gibt es z.B. keine Termine. Wenn du zum Arzt willst, musst du direkt kommen und wenn der Arzt nicht da ist, musst du warten. Und wenn der Arzt den ganzen Tag nicht kommt, dann musst du den nächsten Tag kommen, bei uns war es nicht so organisiert. 

Das sind ja ganz schön große Unterschiede… aber ihr scheint euch wohl zu fühlen. Vermisst ihr trotzdem noch etwas in Siegen und der Region? 
Mohiruh: Für mich ist alles gut. Mein Wunsch ist immer mehr zu lernen und noch eine andere Richtung im Bereich Metall auszuprobieren. Vielleicht kann ich eines Tages auch studieren. 
Khulkar: Ich wünsche mir, dass ich immer bei GEORG bleiben kann und ich nicht weggehen muss. Ich habe nicht vor GEORG zu verlassen. 

Wenn ich jetzt z.B. aus dem Ausland käme und nach Südwestfalen ziehen wollte. Was würdet ihr mir raten? 
Mohiruh: Ich würde sagen, probiere es. Und wenn es dir nicht gefällt, dann kannst du immer noch etwas anderes versuchen, aber man sollte es immer probieren und immer dran bleiben. Nur so kann man rausfinden, was man will. 

Wie verbringt ihr denn eure Freizeit? Habt ihr schon was von Deutschland gesehen? 
Mohiruh: Zurzeit können wir uns nur in NRW aufhalten, für Ausflüge weiter weg müssten wir uns eine Erlaubnis holen. Ich unternehme viel mit der Familie und oft müssen wir in unserer Freizeit auch zu Behörden. 
Khulkar: Aber manchmal gehen wir abends in die Stadt nach Siegen und ich gehe zum Beispiel regelmäßig in ein Fitnessstudio. 

Das hört sich doch gut an. Vielen Dank für eure Zeit! 

Die Heinrich Georg GmbH Maschinenfabrik ist Mitglied im Verein "Wirtschaft für Südwestfalen" und zählt zu den attraktiven Arbeigebern der Region. Hier gelangen Sie zum Arbeitgeberprofil.

Quelle: Heinrich Georg GmbH Maschinenfabrik, Mohiruh und Khulkar Uzakova , Stand: März 2017