Interview mit Sparkassendirektor Frank Nennstiel

Am 15. März ist Sparkassendirektor Frank Nennstiel seit 10 Jahren bei der Sparkasse Finnentrop im Vorstand tätig. Zunächst als Vorstandsmitglied löste er zum 01.01.2007 den in Ruhestand verabschiedeten Sparkassendirektor Peter K. Gehlen ab und leitet seitdem als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des erfolgreichen Kreditinstitutes. Damit ist Frank Nennstiel der "dienstälteste" Vorstandsvorsitzende der drei Sparkassen im Kreis Olpe. In einem Pressegespräch blickt Nennstiel nun auf 10 Jahre Sparkassentätigkeit in Finnentrop zurück.

Welche Sparkasse haben Sie vor 10 Jahren übernommen? Die Sparkasse Finnentrop ist traditionell eine der vertriebsstärksten Sparkassen in Westfalen-Lippe und auch in bundesweiten Vergleichen belegt unser Haus oft vordere Plätze. Dazu genießt die Sparkasse in der Bevölkerung eine sehr positive Einschätzung. Besonders die Nähe zu den Kunden und Unternehmen, örtlich aber auch persönlich und menschlich, zeichnen meine Sparkasse aus. Getragen von motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war und ist die Sparkasse ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Gemeinde Finnentrop.

Was hat Sie überzeugt zur Sparkasse Finnentrop zu gehen? Mein Karriereweg begann in der Sparkasse Plettenberg, also direkt in der Nachbarschaft zur Gemeinde Finnentrop. Nach der klassischen Sparkassenausbildung habe ich mich früh für die Schwerpunkte Rechnungswesen und Controlling interessiert.  Neben meinem beruflichen Werdegang in der Sparkasse studierte ich ab 1993 an der Fernuniversität Hagen und konnte mein Studium1999 mit dem Dipl. Volkswirt und Dipl. Kaufmann erfolgreich abschließen. Am 01. Juli 2000 bin ich dann als Leiter des Vorstandssekretariates zur Sparkasse Freising ganz in den Süden Deutschlands gewechselt. Dort wurde mir auch der Aufbau des Vermögensmanagement anvertraut. Mit der Ausschreibung des  Vorstandsmitgliedes  in Finnentrop, die mit den Zuständigkeiten Markt und Controlling ein in der Sparkassenwelt eher ungewöhnliches Anforderungsprofil vorsah, hatte ich die Chance nach fünf Jahren in der Fremde wieder heimatnah verantwortungsvolle Aufgaben in der Führung einer Sparkasse zu übernehmen. Mein Eintrittstermin 15.03.2005 war dann eher ungewöhnlich, auch deshalb, weil ich im März dieses Jahres mit der Sparkasse Freising und der Sparkasse Finnentrop zwei Arbeitgeber hatte.

Was hat Sie in den 10 Jahren Sparkasse Finnentrop besonders geprägt? Da war zunächst die herzliche Aufnahme in der Sparkasse, die mir den Start in Finnentrop sehr angenehm gemacht hat. Wir sprechen ja gerne von der Sparkassenfamilie, hier war diese für mich sofort erlebbar. Aber auch ab jetzt mit meinem Kollegen Peter Gehlen die Gesamtverantwortung für die Sparkasse und über 70 Mitarbeiter zu tragen, war eine ganz neue Erkenntnis. Dadurch, dass das Haus sehr gut aufgestellt war, hatte ich die Zeit zu beobachten und mich einzufinden. Mit der Lehmann Pleite und dem Beginn der Krisen an den Finanzmärkten haben sich dann ab Herbst 2007 die Anforderungen an die Führung eines Kreditinstitutes deutlich verändert. Gut, dass  wir mit dem Geschäftsmodell der Sparkassen vielleicht etwas altmodisch und antiquiert unterwegs sind, aber jetzt in der Krise war unsere, an der Realwirtschaft ausgerichtete Geschäftspolitik, die richtige Antwort auf das schwindende Vertrauen gegenüber den Banken. Gleichwohl gilt es ab diesem Zeitpunkt die immer größer werdende Regulierung der Bankenaufsicht und den Forderungen der Politik und des Verbraucherschutzes Rechnung zu tragen. Da hilft es natürlich, dass wir in der Kundenbewertung nach wie vor sehr gute Ergebnisse erzielen und die Bürgerinnen und  Bürger aber auch die Unternehmer in der Gemeinde Finnentrop dem Angebot ihrer Sparkasse vertrauen schenken. Zurzeit ist die Zinspolitik der EZB für unsere Kunden aber auch für uns als dezentralisiert agierende Sparkasse eine große Herausforderung.

Welchen Stellenwert hat das gesellschaftliche Engagement Ihrer Sparkasse und wie engagieren Sie sich selbst in der Region? Sparkassen sind mehr als nur eine Bank und der Unterschied beginnt schon beim Namen. Sparkassen sind die einzigen Kreditinstitute, die nicht die Gewinnmaximierung oder die Förderung ihrer Mitglieder als Hauptmaxime ihres Handels sehen. Ganz im Gegenteil, so gehört die  Förderung des Gemeinwohls in der Region zu den satzungsgemäßen Aufgaben und zum Selbstverständnis der Sparkassen. Auch wir in Finnentrop leben diese Grundsätze gerne und gehören zu den größten Förderern der örtlichen Vereine und sozialen Einrichtungen. Aber da ist nicht nur die finanzielle Seite, auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Region verwurzelt und häufig ehrenamtlich in besonderen Funktionen tätig. Wir leben da, wo auch unsere Kunden leben. Auch meine Familie und ich engagieren uns vor Ort und haben Heimat in vielen Vereinen gefunden, wie z.b. im Vorstand der Kulturgemeinde Finnentrop, als Vorsitzender des Fördervereins des FC Finnentrop, aber als auch Mitglied im TV Rönkhausen. Körperlich fit halte ich mich mit  Hap-Ki-Do, einer koreanischen Kampfkunst beim Plettenberger SC, der in diesem Jahr Ausrichter der Europameisterschaften ist.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für Ihre Sparkasse in den nächsten 10 Jahren? Die Dinge werden immer schnelllebiger und die Sachverhalte komplexer. Auch das Verhalten unserer Kunden verändert sich ständig. Hier gilt es sich anzupassen und heutige Lösungen aktiv weiter zu entwickeln. Viele Serviceleistungen aber auch Produktverkäufe sind heute schon über die medialen Vertriebswege möglich und längst nutzt nicht nur die junge Generation die technischen Möglichkeiten. Als Sparkasse sind wir die Direktbank vor Ort und bieten unseren Bürgerinnen und Bürgern sowohl die technischen als auch die stationären Zugänge zu Bankdienstleistungen. Wir müssen uns darauf ausrichten, unsere Kunden auf deren bevorzugten Wegen zu begegnen.

Eine große Herausforderung ist die demographische Entwicklung und der prognostizierte Bevölkerungsrückgang in den nächsten Jahren in unserer Region. Das hat sicherlich Auswirkungen auf unsere Kundenzahlen damit auch Einfluss auf die Anzahl unserer Geschäftsstellen bis hin zur Frage, welche Anzahl von Mitarbeitern mit welchen Kompetenzen und Qualifikationen werden wir zukünftig benötigen.

Wie Eingangs bereits erwähnt sind es auch die regulatorischen Anforderungen, die es zu erfüllen gilt: eine der größten Herausforderungen für uns kleinere Kreditinstitute. Obwohl es an dieser Stelle für uns kein Geld zu verdienen gibt, müssen wir in diesem Bereich personalpolitisch reagieren und investieren und vielleicht auch Kooperationen mit anderen Sparkassen eingehen. Im Großen und Ganzen bin ich mit meinem Kollegen Dirk Atteln allerdings sehr zuversichtlich, dass wir, basierend auf einem hoch motivierten Mitarbeiterteam, die zukünftigen Herausforderungen meistern werden.

 

 

Quelle: Sparkasse Finnentrop