Mein Leben in Südwestfalen - Bad Laasphe statt Hamburg

Saßmannshausen. Es brennt wieder Licht im alten Bahnhof von Saßmannshausen.

Und selbst im Vorbeifahren wird schnell klar, hier tut sich was. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1887 ist verkauft – an eine junge Familie aus Hamburg. „Wir wollten etwas Altes, etwas das Charakter hat; eben ein Gebäude mit Geschichte und Persönlichkeit“, beschreibt Thomas Schlange, was aus seiner Käufersicht für diesen verlassenen Bahnhof an der Lahntalbahn spricht. 

Seit Anfang 2012 stand der Bahnhof mit einer Nutzfläche von 150 Quadratmeter und einem rund 2350 Quadratmetern großen Grundstück zwischen Straße und Gleisen zum Verkauf. Hier hält seit Jahren kein Zug mehr, aber die Trasse wird von Nahverkehrszügen im Stundentakt befahren.Der 46-jährige verheiratete Vater eines vierjähriges Sohnes tauscht seine Heimatstadt und den aktuellen Wohnort Hamburg gegen Bad Laasphe. Warum? Weil er seinen Sohn mitten in der Natur aufwachsen lassen will und es ihm auch die Wittgensteiner angetan haben: „Unsere Nachbarn sind sehr nett, auch die Handwerker, mit denen ich bislang gesprochen habe. Und die Menschen im Bauamt sind sehr zuvorkommend. Hier kann vieles auf dem kleinen Dienstweg geregelt werden“, berichtet der neue Bahnhofsbesitzer, um sofort in seiner Lobeshymne auf die Lahnstadt fortzufahren: „Bad Laasphe ist toll! Hier gibt es jede Menge Geschäfte und zum Beispiel alle Schulformen“, sagt Schlange mit Blick auf die Zukunft seines Sprösslings. Theater oder Kinos, all das, was junge Menschen an der Großstadt schätzen, trifft für den Hanseaten inzwischen nicht mehr den Nerv der Zeit. Er freut sich vielmehr auf den Wittgensteiner Wald. Zwischenzeitlich hatte es den Mann, der als Angestellter für eine Bundesbehörde arbeitet, nach Freiburg im Breisgau verschlagen. Aber für das Nordlicht war Süddeutschland nichts.

Als dann die Suche nach einer geeigneten neuen Bleibe für die Familie begann, wurden die Schlanges auf halbem Wege zwischen Freiburg und Hamburg fündig. Für das Fachwerkhaus direkt zwischen Straße und Gleis sprach neben seiner Geschichte als Bahnhof, seiner charakteristischen Jugendstilbauart mit der verzierten Schieferfassade und dem Güterschuppen auch der niedrige, symbolische Kaufpreis, den die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft (BEG) für das über zehn Jahre leerstehende Gebäude erhob. „Hier können wir bis zum Rentenalter mit Allem fertig sein“, sagt Schlangen. Aber er weiß, dass er noch viel Arbeitskraft und Geld in das Haus investieren muss.
Carsten Kirchhoff von der BEG ist froh, mit der Immobilie in Saßmannshausen eine weiteren Bahnhof mit neuem Leben gefüllt zu haben. In den nächsten Tagen werde noch die Einmessung der Parzellen erfolgen, denn das Grundstück mit den Schienen wird vom Bahnhofsgrundstück abgetrennt. Die Gleise der Lahntalbahn bleiben im Besitz der Bahn. Vor dem Kauf musste Thomas Schlange der BEG ein Konzept vorgelegen und das Denkmalamt Bad Laasphe sei auch mit Boot, erläutert Kirchhoff. Es gelte beispielsweise die Ornamentik, die noch aus der Zeit der Erbauung stammt, zu erhalten, so Kirchhoff. Thomas Schlangen hat damit kein Problem, schließlich liegt ihm sehr am Charakter des Hauses.