Der Briloner Schnadezug

Der alle zwei Jahre im Rahmen des Schützenfestes der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft abge-haltene Schnadezug ist der Inbegriff der Briloner Traditionspflege. Seit mehr als 600 Jahren schreiten die Briloner regelmäßig die Grenzen ihrer Gemarkung ab und kontrollieren die dort aufgestellten Grenzsteine.

Bedingt durch die Einführung von Grundbüchern und Katastern waren Schnadezüge zu Beginn des 19. Jahrhunderts rechtlich nicht mehr notwendig, sodass sie fast überall eingestellt wurden. Nur Brilon hielt eisern an seinem Schnadezug fest. Er nahm zwar allmählich den Charakter eines reinen Volksfestes an, doch wurden die überlieferten Regularien weiterhin penibel eingehalten.

Am Tag des Schnadezuges finden sich schon in aller Frühe mehrere Tausend Menschen auf dem Marktplatz ein, um nach einer kurzen Eröffnungszeremonie den langen und beschwerlichen Marsch entlang der Grenzen anzutreten. An diesem Marsch dürfen jedoch ausschließlich Männer teilnehmen, Frauen sind erst nachmittags auf dem Lagerplatz zugelassen.

Der insgesamt etwa 130 km lange Schnadezug ist in fünf Abschnitte von 24 bis 36 km Länge unterteilt, die alle zwei Jahre in Angriff genommen werden. Ist nach fünf Schnadezügen die Grenze einmal komplett umrundet, sagt der Briloner stolz: »Ich bin einmal rum«. Vor diesem Ausspruch stehen jedoch die Strapazen, und die können beträchtlich sein, wenn man bedenkt, dass sich der Schnadezug nicht nur auf befestigten Wegen bewegt. Es werden auch grüne Wiesen und kleine Flüsse überquert, steile Berge erklommen und tiefe Schluchten passiert. Das alles hält die Briloner jedoch ebenso wenig ab wie strömender Regen oder sengende Hitze. »Lot bröggen, bat brögget, vey wahret use Schnad«, sagt eine alte Briloner Redensart.

Unterwegs wird an den größeren Grenzsteinen angehalten und in Anwesenheit des jeweiligen Grenznachbarn der vor vielen Jahrhunderten aufgesetzte Rezess, eine Art Grenzvertrag, verlesen und neu bekräftigt. Damit sich besonders die Neulinge beim Schnadezug die Grenzsteine genau einprägen, greift man in Brilon seit jeher zu dem etwas unsanften Mittel des »Stutzäsens«, womit gemeint ist, dass man an allen Vieren gepackt und mit dem Hinterteil dreimal gegen besagten Grenzstein gestoßen wird.

Am Nachmittag erreicht der Schnadezug den Lagerplatz, wo für einige Stunden ein fröhliches Volksfest stattfindet. Am frühen Abend geht es zurück nach Brilon, wo als traditioneller Schlusspunkt der Petruskump auf dem Marktplatz unter dem Geläut aller Kirchenglocken dreimal umrundet wird.

Weitere wissenswerte Informationen und wann der nächste Schnadezug stattfindet erfahren Sie hier.

Quelle: Text und Fotos: Stadt Brilon