Sehenswerte Orte in Südwestfalen - Teil 16: Das Osterfeuer - Südwestfalen ist Feuer und Flamme

Der Frühling steht vor der Tür – und mit ihm das Osterfest. Dieses beinhaltet eine ganze Reihe von Bräuchen, wie z.B. den Osterhasen, der als kinderlieber Vertreter seiner Zunft bunt bemalte Eier für die Kleinsten versteckt. Natürlich, dies ist so untrennbar mit dem Osterfest verbunden, wie Sand mit der Wüste. Doch es gibt da noch mehr: Das Osterlamm gehört ebenso vielerorts unabdingbar dazu, wie der Kirchgang am Ostersonntag. Wer es jedoch ein wenig wärmer als in kalten Kirchengemäuern haben will, der nimmt an einem Osterfeuer teil: Hier treffen Glaube, Tradition, Symbolik und Geselligkeit aufeinander.

Auch in Südwestfalen werden jedes Jahr zahlreiche Osterfeuer entzündet – viele öffentlich und im großen Rahmen, noch mehr hingegen im kleinen, privateren Kreis. Zu beachten gilt es, dass hierfür Auflagen der jeweiligen Städte und Gemeinden einzuhalten sind – in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Information, Antragsstellung und dessen Genehmigung sollten daher vorausgegangen sein.

Der Brauch an sich geht zurück bis ins 16. Jahrhundert und hat bis heute nichts von seinem Reiz verloren. Anders lässt es sich nicht erklären, dass in ganz Südwestfalen bis zu 2.000 Osterfeuer gemeldet werden, obgleich etliche Kommunen inzwischen ein Entgeld hierfür verlangen. Die Osterfeuer entstammen der Kirchen-Liturgie des Katholizismus. Dort ist es vorgesehen, dass der Priester vor dem brennenden Osterfeuer und der darum versammelten Gemeinde die sogenannte Osterkerze entzündet. Diese symbolisiert Jesus Christus als Licht der Welt und wird nach der Weihe als Licht in die in Dunkelheit gehüllte Kirche getragen. Mancherorts werden im Osterfeuer gar Puppen verbrannt, die Judas Ischariot darstellen sollen.

Osterfeuer bestehen aus gesammeltem Holz, zumeist aus Ästen und Zweigen. Oftmals müssen die Osterfeuer bewacht werden, da Jugendliche nicht selten auf die „glorreiche“ Idee kommen, ein solches Feuer vorzeitig zu entzünden. Aus Gründen des Tierschutzes ist es überdies sinnvoll, den entsprechenden Holzstapel vor dem Anzünden nochmal umzuschichten, da sich Tiere eingenistet haben können.

Eines der größten Osterfeuer in der Region findet in Arnsberg auf dem Kreuzberg (früher: Römberg) statt. Bereits am Karfreitag werden dort traditionell mehr als 3.000 Reisigbunde in Kegelform zu einem sehr hohen Stoß unterhalb der Kreuzbergkapelle aufgeschichtet. Zur Fackelprozession starten dann am Ostersonntag nach Einbruch der Dunkelheit die zahlreichen Fackelträger. Sie wandern gemeinsam auf dem Kreuzweg an den in bengalisches Licht getauchten Stationen vorbei und bilden zum Abschluss auf der Berghöhe ein riesengroßes Kreuz. Ein mehr als sehenswertes Schauspiel, dem – untermalt durch feierliches Kirchenglockengeläut – das Entzünden des Holzstoßes folgt. Osterlieder erklingen, ehe das imposante Freudenfeuerwerk dem Ganzen die Krone aufsetzt.

Auch in Hallenberg, der kleinsten Stadt Südwestfalens, findet an Ostern ein erwähnenswertes Schauspiel statt. Das beschauliche Städtchen mit etwas mehr als 4.000 Einwohnern erlebt dann für eine Weile eher unruhige Zeiten – was auf die „Hallenberger Krachnacht“ zurückzuführen ist.

Von Gründonnerstag bis Karsamstag geben etliche kirchlich-religiöse Bräuche den Vorboten auf das Zelebrieren dieses besonderen Ereignisses in der Nacht zu Ostersonntag. Hierzu gehört z.B., dass kein Glockenläuten oder Orgelspiel im Gotteshaus zu hören ist. Auch das Entzünden des Osterfeuers (das in Hallenberg bereits in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag abgebrannt wird) ist Teil der Prozession in der Osternacht, welche dann wie folgt abläuft:

Auf dem Marktplatz an der St.-Heribert-Kirche treffen sich die Männer und Burschen der Stadt zu einem mitternächtlichen Umzug, den ein ohrenbetäubender Lärm umgibt. Wenn kurz vor Mitternacht die Straßenbeleuchtung erlischt und die Kirchturmglocke wenig später zur vollen Stunde schlägt, gilt das als feierliches Startsignal. Man singt gemeinschaftlich das Passionslied „Ihr Sünder kommt gegangen“ und begeht nach dem Verhallen des letzten Tons unter gellendem Lärm von Trommeln und Rasseln die traditionelle Route gen Petrusbrunnen in der historischen Altstadt. Drei große, hellerleuchtete Kreuze tragend, erreicht der Zug aus Fackel-, Klapper- und Rasselträgern nach etwa anderthalb Stunden durch gespenstiges Dunkel seinen Zielort. 

Dort angekommen, erreicht der Lautstärkepegel seinen endgültigen Höhepunkt – nichts für empfindliche Ohren. So plötzlich, wie der Krach ertönte, so abrupt endet er. Nachdem die Lichter der Stadt wieder hell erleuchten, verlassen die Protagonisten den Ort des Geschehens und stoßen nicht selten in einer der Gaststätten mit einem kühlen Blonden auf das Osterfest an – die Sperrstunde ist an diesem Tag aufgehoben.

Das Arnsberger Osterfeuer und die Hallenberger Krachnacht: Nur zwei von vielen Beispielen, die symbolisch dafür stehen, dass das Osterfest in Südwestfalen mit viel Herzblut und Traditionsbewusstsein gefeiert wird. Man muss nicht äußerst religiös und schon gar nicht ein echter Sauerländer sein: Wer einfach Lust darauf hat, an Ostern etwas typisch sauerländisches zu erleben, der ist bei einem Osterfeuer gut aufgehoben. Wie unsere Karte zeigt, ist ganz Südwestfalen zur Osterzeit Feuer und Flamme...

Quelle: Südwestfalen Nachrichten - ein Nachrichtenportal der Region: http://www.suedwestfalen-nachrichten.de/ Autor: Carsten Dringelstein Bild: Ferienwelt Winterberg