Heldengeschichte I: Eckhard Grambow

Kreis Soest (jüv). Eckhard Grambow steht nicht gerne im Rampenlicht. Ganz einfach sitzt er da, fast verlegen -- und mag kein großes Aufheben machen um seine Sache. Angefangen hatte alles 1995. Mit einem Essen. Mittags. Das wollte Eckhard Grambow als Gast weiterhin einnehmen, obwohl seine Tochter nicht mehr in der Seeufer-Residenz in Wamel arbeitete. "Kein Problem", entschied die Geschäftsleitung. Zum Glück. Dass die Leitung des Altenheims sich großzügig zeigte, das hat Eckhard Grambow inzwischen tausendfach vergolten. Denn der rüstige Rentner ist seither sehr aktiv in der Residenz: als Helfer, als Chorleiter, als Sänger, als Gedächtnis-Trainer, als Gymnastik-Leiter, als Ausflugshelfer, als Bastel-Helfer, als "Mädchen für alles" eben. Inzwischen kommt der 78-Jährige aus Sichtigvor zweimal täglich in die Residenz, steckt sich sein Schild "ehrenamtlicher Helfer" an den Pullover und tut, was zu tun ist. "Ich mache das sehr gerne hier", sagt Grambow, "und ich brauche das". Bekommt er seine inzwischen 14-jährige ehrenamtliche Tätigkeit geballt "vorgehalten", winkt er ab. "So richtig angefangen hat alles doch erst 1998", sagt er dann, oder "das brauche ich und ich mache das furchtbar gern". Doch dann schleicht sich ein spitzbübisches Grinsen ins Gesicht und er sagt: "Ja, lobt mich ruhig mal ein bisschen"."Der Eckhard untertreibt gerne", sagt Martina Droste Kleine. "Aber ohne ihn kann ich mir vieles hier gar nicht vorstellen", fügt sie hinzu. Und eben darum hat die Mitarbeiterin der Seeufer-Residenz ihn vorgeschlagen bei der Aktion "Helden in Südwestfalen".Anfangs sei das gar nicht einfach gewesen, auf die Menschen zuzugehen, erinnert sich Eckhard Grambow. Schließlich habe er als Fernfahrer und später in der Fabrik kaum gesprochen und ebenso wenig mit Menschen zu tun gehabt. Doch als man ihn gefragt habe, ob er helfen könne, da habe er spontan "ja" gesagt.

Wer stets ja sagt, hat schnell einen vollen Terminkalender. So wie Eckhard Grambow. Mittags ist er zur Stelle, um Tische zu decken, sein ebenso bekanntes wie beliebtes "Mittagessen ist da" über den Flur zu rufen, Kaffee auszuschenken und abzuräumen. Am Nachmittag stehen Aktivitäten an: Derzeit übt er mit dem Chor, den er vor einigen Jahren ins Leben rief, eifrig Weihnachtslieder. Beim Gedächtnistraining hält er zudem sich und andere geistig in Schwung. Und dass auch die alten Gelenke weiter funktionieren, stellt er bei der Gymnastik sicher.

Hat ein Bewohner Geburtstag, dann bekommt er schon mal den passenden Text serviert. Autor: Eckhard Grambow. Ist zum Karneval niemand bereit, den Prinzen zu machen, dann meldet sich am Ende doch einer: Eckhard Grambow. Und wenn in der Bütt niemand den rechten Reim findet, dann setzt sich einer hin und schreibt, was es über die Seeufer-Residenz zu sagen gibt: Eckhard Grambow.

Auch bei Ausflügen ist Grambow selbstverständlich zur Stelle. Und wenn Mal eine Beerdigung ansteht und keine Angehörigen da sind, dann macht er sich eben ganz selbstverständlich auf den Weg zum Friedhof. Klar, dass das Thema Tod im Altenheim allgegenwärtig ist. "Einige Bewohner sind mir über die Jahre ganz besonders ans Herz gewachsen", so Grambow. Und wenn dann plötzlich jemand stirbt, der tags zuvor noch im Chor gesungen habe, dann sei das schon ein harter Schlag. "Aber ich habe nie ernsthaft daran gedacht, hier aufzuhören", so Grambow. Vielleicht sei es die Freiheit, jederzeit gehen zu können, die ihn hielte, so der Senior.
Apropos Senior: Über seine eigene Zeit als Rentner macht sich Eckhard Grambow keine Gedanken. "Das schiebe ich ganz weit weg", sagt er. Schließlich fühle er sich nicht wie 78, sondern "allenfalls wie 65 oder so". Vielmehr freue er sich auf jeden Tag, den er in der Residenz verbringen dürfe. "Das ist schon wie mein Zuhause", sagt er. Oder, wieder zurückhaltender, fragender: "Ich gehöre zum Haus, zum Inventar, oder?" Solche Fragen werden schnell und eindeutig beantwortet. Diesmal von Ute, die gerade um die Ecke biegt: "Na klar. Und ohne den Eckhard geht hier gar nichts." Wenn eben dieser Eckhard doch Mal in den Urlaub fährt, dann kann er auch in Bayern nicht aus seiner Haut. Eckhard Grambow: "Die freuen sich schon immer. Denn wenn ich da bin, dann helfe ich natürlich." Warum? "Wenn ich sehe, dass irgendwo Hilfe gebraucht wird, dann kann ich einfach nicht wegsehen". Also hilft Eckhard Grambow. Ganz einfach. Ohne Aufsehen. Denn im Rampenlicht, da steht er nicht gerne.

Erschienen im Wochenblatt

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