Heldengeschichte V: Ein Seelenpflaster

Hans Joachim Bexkens ist neben der ehrenamtlichen notfallseelsorgerischen Tätigkeit ständiger Diakon.
Das Segnen von Kindern gehört auch zu seinen Aufgaben.

Von Julia Tielke

Hochsauerland/Elkeringhausen. „Er selbst würde sich niemals als Held bezeichnen, für mich und für viele andere Menschen ist er ein Held“, sagt Daniela-Janine Peetz über ihren Vater Hans Joachim Bexkens. Sie hat den 55-Jährigen – der ehrenamtlich als Notfallseelsorger tätig ist, hauptberuflich zwei Kolpinghäuser leitet und seit 2001 ständiger Diakon in Elkeringhausen und Pastoralverbund Winterberg-Süd ist – beim Wettbewerb „Helden in Südwestfalen“ der Südwestfalen Agentur als Kandidat vorgeschlagen.

Hans Joachim Bexkens hat 2003 gemeinsam mit seinem Freund Michael Hossfeld, der ebenfalls Notfallseelsorger ist, und einigen anderen Beteiligten einen Verein für psychosoziale und seelsorgerische Krisenintervention im Auftrag der Kirchen – den heute so genannten Verein „Seelenpflaster“ – gegründet, der auch insbesondere von Landrat Dr. Karl Schneider unterstützt wird.

Zuvor hatte Bexkens damit begonnen, Opfer, Angehörige, Beteiligte und Helfer von Notfällen in akuten Krisensituation zu beraten und zu stützen. Aber auch Hilfe nach traumatischen Ereignissen, wie dem plötzlichen Tod eines Angehörigen, Unfalltod oder Suizid sowie die Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten, gehören zum Einsatzspektrum seiner notfallseelsorgerischen Tätigkeit. „Er ist da, wenn die Seele brennt, solange bis der Sturm vorüber ist“, beschreibt die Tochter ihren Vater. „Der Satz ,Ich habe jetzt keine Zeit’ fehlt in seinem Wortschatz“, sagt Daniela-Janine Peetz weiter. Seine Tätigkeiten wird nicht vergütet, sie ist gemeinnützig und wird lediglich durch Spenden aus der Bevölkerung unterstützt.

Der Bedarf im Bereich Notfallseelsorge ist riesig und steigt stetig mehr. Im Gründungsjahr des Vereins 2003 wurden 196 Stunden geleistet. Im Jahr 2009 waren es bis zum 30. November bereits 1232 Stunden. Bexkens habe immer ein offenes Ohr und sei an sieben Tagen in der Woche, 24 Stunden am Tag für die Menschen, die ihn brauchen, da, so Peetz. Neben der notfallseelsorgerischen Arbeit engagiert er sich als Diakon für die Menschen und ihre Anliegen. Kindergottesdienste, Taufen, Beerdigungen zelebriert der zweifache Vater und bald fünffache Großvater mit viel Hingabe, väterlicher Liebe und Herzblut.

„Ich bewundere ihn von ganzem Herzen für seine Stärke und seinen ruhigen, professionellen Umgang mit Menschen“, meint Daniela-Janine Peetz, die ebenfalls Mitglied im Verein „Seelenpflaster“ ist. „Mein Kollege Michael Hossfeld und ich versuchen, die Menschen in einer Krisensituation aufzufangen, eine Zeit lang zu begleiten und wenn nötig in professionelle Hände weiterzuleiten“, so Hans Joachim Bexkens. „90 Prozent der Tätigkeit sind Kontaktaufnahme, Stille ertragen können, zuhören, einfach da sein, bis man nach einem Notfall den ,Sozialbereich’ Familie aufbauen kann.“

Die Gefühlspalette bei den von einem Notfall Betroffenen ist riesig: Die Seelsorger müssen viel auffangen. „Es ist teilweise übermenschlich, was die Notfallseelsorger wie mein Vater mittragen müssen“, so Daniela-Janine Peetz. Dennoch nimmt Hans Joachim Bexkens sich selbst stets zurück und würde sich selbst nie als Held bezeichnen.

Oft spricht er selbst, beispielsweise bei den Feuerwehrfeiern zu St. Agatha, von Feuerwehrmenschen, die nur ihren Dienst tun. Ebenso sieht er es bei sich selbst auch. Dennoch ist er für viele, denen er bereits geholfen und beigestanden hat, ein Held.

Infos über den Verein „Seelenpflaster“ gibt es unter www.pshilfe.de oder bei Michael Hossfeld unter 0175/4 06 56 88.

Hintergrund:
Wer für den Verein „Seelenpflaster“ spenden möchte, kann dies bei der Volksbank Schmallenberg Konto: 51 80 88 86 00, BLZ 460 628 17 tun.
Der Verein ist nach der Bewerbung bei dem von Angela Merkel als Schirmherrin ausgeschriebenen Wettbewerb „StartSocial“ (www.startsocial.de) unter die ersten 100 förderwürdigen Vereine gekommen. Um zur Ehrung nach Berlin fahren zu können und die Auszeichnung vielleicht von Angela Merkel mit einem Preisgeld zu erhalten, muss der Verein unter die ersten 25. Platzierten kommen.

Erschienen im Sauerlandkurier.

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