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Labor Leerstandsentwicklung Region Wittgenstein
20.07.2011
In den neuen Bundesländern ist das Schreckgespenst mit dem Namen „Leerstand“ längst eingekehrt: Gemeinden, in denen mehr als 20 Prozent der Gebäude nicht mehr genutzt werden, sind dort keine Seltenheit. In Südwestfalen ist die Lage zwar noch nicht ganz so dramatisch, aktuelle Prognosen zeichnen aber gerade für die Dörfer ein düsteres Bild. Mit dem Regionale-Projekt „Labor Leerstandsentwicklung Region Wittgenstein“ soll nun ein Beispiel dafür gegeben werden, wie Kommunen konsequent und strategisch mit dem Problem umgehen können.
Vorgemacht haben es drei Kommunen aus Siegen-Wittgenstein: Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück entwickeln seit einiger Zeit gemeinsam Strategien und Maßnahmen für den Umgang mit leerstehenden Gebäuden. Hierfür arbeiten die Kommunen mit der Immobilienwirtschaft, Hochschulen, Vereinen und natürlich den Immobilieneigentümern zusammen. Ziel des Regionale-Projekts ist es, auf Grundlage der bestehenden Arbeit eine Strategie für das Leerstandmanagement zu entwickeln, die auch auf andere Kommunen oder Regionen übertragbar ist.
Der Altkreis Wittgenstein ist unter anderem durch den Wegzug von jungen Menschen besonders stark vom demographischen Wandel betroffen. Die Leerstands-Problematik ist bereits sichtbar: Bis heute wurden 700 bestehende Leerstände erfasst. „Die drei Kommunen haben erkannt, dass sie dieses Problem viel effektiver und gezielter angehen können, wenn sie zusammenarbeiten“, erklärt Dr. Stephanie Arens, Projektmanagerin der Südwestfalen Agentur. Die Kommunen werden bei ihrer Arbeit vom Kreis Siegen-Wittgenstein und der Universität Siegen unterstützt. Zudem findet eine enge Zusammenarbeit mit dem Projekt „Dörfer im Aufwind“ der LEADER-Region Hochsauerland statt.
Mit dem Regionale-Projekt „Labor Leerstandsentwicklung“ werden unterschiedliche Lösungsstrategien für unterschiedliche Immobilien entwickelt - für Industrie- oder Einzelhandelsgebäude ebenso wie für Wohnhäuser:
- Wohnen: Sanierung und Modernisierung (Bildung von Eigentümersanierungsgemeinschaften), Verbesserung der Nahversorgungsinfrastruktur, Rückbau nicht marktfähiger und städtebaulich nicht bedeutender Gebäude, etc.
- Einzelhandel: Gezielte Beratung von Geschäftsinhabern, Ansiedlung von Zwischennutzungen (z.B. Kultur), Modernisierungsoffensive, Veranstaltungen und Aktionstage zur Belebung der Kernbereiche, Umnutzung für Wohnzwecke (z.B. barrierefreies Wohnen), etc.
- Industrie: Verbesserte Vermittlung an potentielle Interessenten (interkommunales Flächenmanagement), Zwischennutzung (u.a. Lagerflächen), Standortaufbereitung und Neuprofilierung, Rückbau, etc.
Hinzu kommen immobilienübergreifende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein fortlaufendes Leerstandsmonitoring oder die Einrichtung eines Kommunen übergreifenden Beratungspools zur Bestandsentwicklung. Eine Analyse der bestehenden Leerstände wurde bereits durchgeführt, zudem wurden die Handlungsschwerpunkte festgelegt:
- Bad Berleburg: Südliche Innenstadt, Industriebrache Arfeld
- Bad Laasphe: Altstadt, Ortskern Feudingen
- Erndtebrück: Ortszentrum, 60er-Jahre-Siedlungen
Die drei Kommunen, die im „Zweckverband Wittgenstein“ bereits zusammenarbeiten, könnten durch das Regionale-Projekt noch enger „zusammenwachsen“. Die Einbindung der Bürgerinnen und Bürgern ist den Kommunen dabei besonders wichtig.
„Dass Leerstände auch in Südwestfalen nicht mehr wegzudiskutieren sind, hat unter anderem unser Leerstandssymposium im November 2010 gezeigt, das wir zusammen mit der Universität Siegen durchgeführt haben. Es ist wichtig, dass sich Kommunen frühzeitig mit dem Problem auseinandersetzen, am besten gemeinsam mit Nachbargemeinden. Die drei Wittgensteiner Kommunen leisten insofern Pionierarbeit“, sagt Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur.
Nachrichten zum Projekt:
"Mehr Dorf für weniger Menschen" (8.11.2010)
Leerstands-Symposium: Neue Perspektiven für alte Häuser (22.10.2010)
Mehr Informationen zu diesem Projekt:
Projektstandort:
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