Herr Winterberg, „Umweltwirtschaft“ ist zunächst ein abstrakter Begriff. Was verbirgt sich dahinter und welche Bedeutung hat die Umweltwirtschaft für die Region Südwestfalen?
Mit dem Umweltwirtschaftsbericht als Teil der Umweltwirtschaftsstrategie hat das Land eine aktualisierbare Wissensbasis geschaffen, mit dem für das Land und seine Regionen die ökonomischen Potenziale und die Bedeutung der Umweltwirtschaft und seiner so genannten Teilmärkte für NRW untersucht werden.
Die Analyse belegt, dass die Umweltwirtschaft auch in Südwestfalen Chancen für etablierte Unternehmen der verschiedensten Branchen bietet und zugleich Räume für innovative Neugründungen schafft. Sie bestätigt außerdem, dass Industriestärke und eine intakte Umwelt nicht im Widerspruch zueinander stehen. 27.500 Menschen sind in den fünf südwestfälischen Kreises derzeit in der Umweltwirtschaft beschäftigt, etwas mehr als im NRW-Durchschnitt.


Welche Schwerpunkte gibt es in der Region?
Es gibt mehrere so genannter Schlüsselbranchen. An erster Stelle ist dort sicher die Automotive-Branche zu nennen mit dem Fokus auf Leichtbau, umweltfreundlichen Antriebstechniken und den besonderen Herausforderungen im Bereich E-Mobilität. Materialen, Materialeffizienz und Ressourcenwirtschaft ist ein weiterer bedeutender Teilmarkt für die Region, gerade hinsichtlich der Spezialisierung auf die Anlagentechnik für die Abfallwirtschaft. Neben der Lobbe GmbH  in Iserlohn ist die SMS Siemag AG im Kreis Siegen-Wittgenstein hier ein Beispiel für ein führendes Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus, das unter anderem effiziente Metallverarbeitungstechnik, Filter- und Umwelttechnik sowie Anlagentechnik zur Wiederverwertung von Metallen anbietet. Eine außerordentliche Bedeutung kommt zudem der Holz- und Forstwirtschaft zu. Die hohe Spezialisierungsquote und die Standortvorteile unter anderem durch die starke Nachfrage durch industrielle Holzbe- und -verarbeiter sowie die abhängigen Branchen im Anlagen- und Maschinenbau sind hier die Erfolgsfaktoren, von denen im Übrigen auch die nachgelagerten Wertschöpfungsbereiche profitieren.


Welche Rolle spielt das Thema Umweltschutz bei den heimischen Unternehmen?
Das wird sehr deutlich, wenn man sieht, welche Projekte bereits von der KlimaExpo.NRW, einer Initiative des Landes NRW, ausgezeichnet wurden. Die Bandbreite ist groß: Der Arnsberger Leuchtenhersteller TRILUX beispielsweise hat die Energieeffizienz zu seinem Markenkern gemacht. Dank der hochmodernen Wertstoffaufbereitungsanlage bei Lobbe gibt es kaum einen Joghurtbecher, der nicht recycelt wird. Der Bereich E-Mobilität ist nicht nur in vielen heimischen Unternehmen fest verankert, sondern spiegelt sich auch in der Automotive Kompetenzregion Südwestfalen wider. Hier haben Autohersteller, Zulieferer und Hochschulen eine Plattform für Wissenstransfer, Infrastruktur, Aus- und Weiterbildung geschaffen. Gerade dieses Beispiel zeigt deutlich die gute Vernetzung zwischen Wirtschaft, den heimischen Hochschulen und weiteren Institutionen aus der Region.


Wie wirkt sich die Arbeit für ein gutes Klima auf das Leben in Südwestfalen aus und welche Ziele verfolgen Sie hier?
Das Thema Umweltwirtschaft zeigt deutlich, wie die Region Südwestfalen ihre Themen ganzheitlich und unter Beteiligung verschiedenster Akteure angeht und die Dinge miteinander im Einklang nach vorne bringt. Die Unternehmen beweisen damit nicht nur ihre konsequente Ausrichtung auf moderne Produktionstechnologien, sondern spiegeln auch die Haltung der Region insgesamt. Hier wird kein Raubbau betrieben, sondern auf Vereinbarkeit zwischen wirtschaftlicher Stärke und Umwelt- und Naturschutz geachtet, was letztlich in gesunde Unternehmens-Strukturen und intakte Lebensverhältnisse für die Beschäftigten mündet.

Hier gelangen Sie zum Umweltwirtschaftsbericht NRW 2015 und zum Klimakompass der Region Südwestfalen.

Quelle: Text: Südwestfalen Agentur GmbH / Christian Janusch Foto: Michael Bahr