60 Teilnehmer folgten jetzt  der gemeinsamen Einladung von Sauerländer Heimatbund und Südwestfalen-Agentur zur Demographie-Werkstatt auf der „Haferkiste“. Das Ziel dieser Veranstaltung: Ansätze der Dorfentwicklung und Integration zu beleuchten. Denn, wie sich als Ergebnis des Tages zeigte: Zuwanderung auf der einen Seite und Abwanderung auf der anderen Seite können durchaus miteinander harmonieren.

Das Format „Gespräche auf der Haferkiste“ ist bereits altbekannt, schließlich lädt die Südwestfalen Agentur schon seit mehreren Jahren regelmäßig zum Austausch über Themen der ländlichen Entwicklung an verschiedenen Orten in der Region ein. Immer dabei: Eine echte, alte Haferkiste. Die diesjährige Kooperation von Heimatbund und Agentur mobilisierte die Klientel beider Einrichtungen. So waren neben den Mitgliedern von Land- und Bundestag, Dagmar Hanses und Dirk Wiese, viele Ortsvorsteher und in der Heimatpflege Aktive erschienen und beteiligten sich engagiert an der Diskussion über aktuelle Themen der Dorfentwicklung und Integration. Unter Moderation von Hans-Jürgen Friedrichs, Kreisheimatpfleger für den Hochsauerlandkreis, gab es interessierte Fragen und viele Diskussionen an die insgesamt fünf Referentinnen und Referenten.

Wie sich Südwestfalen als drittstärkste Industrieregion Deutschlands aufstellt, um trotz vieler Probleme zukunftsfähig zu sein, wurde von Dr. Stephanie Arens anschaulich dargestellt. Die Projektmanagerin der Südwestfalen Agentur referierte über „Aktives Landleben – Menschen, Dörfer und mehr – Ländlicher Raum als Innovationsraum“. Im Gepäck: Den zum Abschluss der Regionale 2013 erstellten „Kompass LandLeben“ und aktuelle Daten zur Region. Sie wies gleich zu Beginn darauf hin, dass die Themen, demographischer Wandel, Leerstand und Zuwanderung zukünftig viel stärker zusammengedacht werden müssen und dass dies einerseits eine große Herausforderung, aber auch ein große Chance für den ländlichen Raum in Südwestfalen ist. Durch eine Auswahl an konkreten Projektvorstellungen von Energiewende bis zur Willkommenskultur unterstrich sie zudem die Innovationskraft der Region. 

Beispiel Elleringhausen
Dorfentwicklungskonzepte werden derzeit von vielen Dörfern angestrebt. Im Olsberger Ortsteil Elleringhausen gibt es dazu schon jahrelange Erfahrungen. Dorfmarketingsprecher Jörg Stralka berichtete über den Bevölkerungsrückgang, den Verlust wichtiger Infrastruktur und wie die Dorfgemeinschaft mit dieser zwangsläufigen Entwicklung umgeht. „Wir können den Wandel nicht aufhalten, sondern allenfalls verlangsamen und gestalten“, war eine seiner Kernaussagen. Dass die Vereinsvorstände in Elleringhausen immer jünger werden, ist zwar einerseits positiv. Gleichwohl sieht er andererseits Bedarf, die Älteren mehr für diese Aufgaben zu gewinnen.

Beispiel Bad Berleburg
Im Rahmen des Regionale Projekts „Meine Heimat 2020“ und gemeinsam mit Bürgerschaft, Kirchen, Unternehmen, Vereinen und Kommune hat man sich in Bad Berleburg auf die demographischen Herausforderungen eingestellt. In dem Pilotprojekt ging es vor allem darum, die Leitbildentwicklung „Meine Heimat 2020“ mit der Haushaltskonsolidierung der Stadt und einem gesamtstädtischen Dorfentwicklungskonzept zusammen zu denken, um nachhaltig handlungsfähig zu bleiben. Wolfgang Acker-Marx, Leiter der städtischen Bauverwaltung erläuterte in seinem Referat die Vielfalt der Leitprojekte der gemeinsamen Initiative „Meine Heimat 2020“. Damit Neubürger sich schneller in der Region einleben können, hat man ein Standortpaten-Netzwerk ins Leben gerufen. Das Gemeindehaus in Elsoff wird erweitert und es entstehen betreute Wohnangebote für ältere Mitbürger. In Arfeld wird die Industriebrache der früheren Schuhleistenfabrik abgerissen und für Unternehmensansiedlungen und den Neubau eines Bürgerzentrums genutzt. In Bad Berleburg wird das Bürgerzentrum am Markt zu einem Veranstaltungs- und Begegnungszentrum für alle Generationen umgebaut.

Beispiel Sport im Hochsauerlandkreis
Wie der Kreissportbund Hochsauerlandkreis in Zusammenarbeit mit den ihm angeschlossenen Vereinen die Integration von Migranten betreibt war von Christina Brixner, der Integrationsbeauftragten des KSB zu erfahren. Traditionell ist der Sport eine Brücke für zwischenmenschliche Kontakte. Das zeigt sich bei den Vereinen vor Ort und da setzt auch der KSB mit konkreten Projekten an.  Bereits drei erfolgreiche Übungsleiter-Lehrgänge in den Jahren 2011, 2013 und 2015 für Migrantinnen sind besonders erwähnenswert. Daneben gibt es eine Reihe weiterer KSB- und Vereinsprojekte in den Bereichen Fußball, Volleyball und Schwimmen. Der SV Neptun Neheim-Hüsten hat in diesem Rahmen schon zwei Schwimmkurse für muslimische Frauen durchgeführt. Weitere Projekte sind in der Planung.

Beispiel Oberveischede
Allein die Tatsache, Sieger im Dorfwettbewerb zu sein, zeugt in Oberveischede von einer engagierten Dorfgemeinschaft. Wie diese Dorfgemeinschaft sich für syrische Flüchtlinge einsetzt, war von Sigrid Mynar zu erfahren, der Geschäftsführerin des Dorfgemeinschaftsvereins. Per Zufall kamen zwei Dinge zusammen: Der alten Vikarie, einem Ortsbild prägenden historischen Gebäude drohte der Verfall bzw. der Abriss und ein junger Syrer, der neun Familienmitglieder aus dem Bürgerkrieg gerettet hatte, stand ohne Unterkunft für die Flüchtlinge da. Gegen viele Bedenken haben die Mitglieder des Dorfgemeinschaftsvereins sich für eine Renovierung des Gebäudes eingesetzt und damit eine Unterkunft für zwei syrische Familien geschaffen. Damit aber nicht genug. Zusätzliche Begleitung und Betreuung bis hin zum Organisieren von Deutschkursen rundeten das beispielhafte Integrationsprojekt ab. Wichtige Erkenntnis: ALLE haben voneinander gelernt. Die Familie von den Oberveischedern und umgekehrt. Das Miteinander klappt gut. Mittlerweile gibt es einen Neubürger. Die älteren Kinder der Familien besuchen den Kindergarten bzw. die Schule. Die Anerkennung als Asylsuchende steht kurz bevor und die Familie ist für ein selbstständiges Leben in Deutschland vorbereitet.

Die sich an die Vorträge anschließenden Diskussionen als auch die abschließende Podiumsdiskussion machten die Nachfrage nach Erfahrungen in den brennend aktuellen Themen der Dorfentwicklung und der Integration deutlich. Die Idee von Sauerländer Heimatbund und Südwestfalen-Agentur, für diese Themen eine Kommunikationsplattform zu bieten, wird von Ortsvorstehern und Dorfaktiven begrüßt und die Angebote gerne genutzt.

Alle Vorträge der Veranstaltung finden Sie hier.