Forscher der Fachhochschule Südwestfalen haben an der Langzeitstudie zur Entwicklung ländlicher Lebensverhältnisse in 14 ausgewählten Orten in Deutschland mitgearbeitet. Prof. Dr. Wolf Lorleberg und Dr. Ralf Biernatzki, Geschäftsführer i.green – Institut für Green Technology & Ländliche Entwicklung, stellten die Ergebnisse ihres Teilprojekts jetzt bei einer Veranstaltung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin vor. 

„Den“ ländlichen Raum gibt es nicht mehr. Stattdessen haben sich ländlich geprägte Regionen stark ausdifferenziert, das Leben auf dem Land wird heterogener und bunter – so die elementaren Ergebnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bei der Verbundstudie „Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel“ werden seit 1952 in Abständen von 20 Jahren die Lebensverhältnisse in immer denselben zehn westdeutschen und seit 1993 auch vier ostdeutschen Orten untersucht. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist Auftraggeber, koordiniert hat die aktuelle Untersuchungsfolge das Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig. 

Neben sechs weiteren deutschen Forschungseinrichtungen, hat sich an der Studie (Start 2012) auch das Institut i.green der Fachhochschule Südwestfalen mit dem Teilprojekt „Wohnen in Dörfern: Zuzugs-, Fortzugs- und Bleibemotive“ beteiligt. Für i.green haben Dr. Luisa Vogt und Michael Kriszan die Forschungsaktivitäten durchgeführt. Um die Entwicklung detailliert beschreiben zu können, haben die Forscherinnen und Forscher umfangreiche Daten ausgewertet, die bei der standardisierten Befragung von 3.000 zufällig ausgewählten Personen zu ihren Lebensverhältnissen vor Ort gesammelt wurden. Grundsätzlich fanden sie eine hohe Fluktuation heraus, in den Untersuchungsgemeinden wurde demnach in den vergangenen zehn Jahren der große Teil der lokalen Bevölkerung „ausgetauscht“. Im Vergleich mit den jeweiligen Arbeitslosenquoten werde deutlich, dass es starke Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungsentwicklung und den regionalen Arbeitsmärkten gebe. Dabei spielten klassische Gründe für einen Umzug aufs Land wie beruflich bedingte Zuzüge, Eigenheimbau oder eine größere Nähe zur Natur eine wichtige Rolle, so Prof. Lorleberg, obwohl die Befragten vorrangig „familiäre Gründe“ angaben.

Insgesamt beobachtete das Team von i.green bei den Befragten große Unterschiede und differenzierte Bewertungen hinsichtlich einzelner Merkmale wie bezahlbarer Wohnraum, Ruhe und Überschaubarkeit, räumliche Lage und Infrastruktur. Generell treffe aber zu, dass sich die meisten auf dem Land Lebenden ihren Wohnort bewusst ausgesucht hätten und sich den Gegebenheiten – vor- wie nachteilig – anpassen würden. Ebenso differenziert fällt die Einschätzung zukünftiger Herausforderungen für die einzelnen Orte aus, die von demografischem Wandel über den Ausbau von Infrastrukturen bis hin zur Lage und Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen reichen. Die ausführlichen Ergebnisse der Studie sind hier einsehbar.