Südwestfalen ist kreditwürdig

Eine Untersuchung von Creditreform Siegen zum 30.06.2015 der Region Südwestfalen ergab, dass die heimischen Unternehmen aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe ein „sehr geringes Ausfallrisiko“ aufweisen. 

Die Ausfallwahrscheinlichkeit von Firmen des Wirtschaftsstandortes Südwestfalen ist NRW-weit am niedrigsten. 

Unternehmen mit einem Jahresumsatz größer 5 Mio. EUR besitzen ein geringes Gefährdungspotenzial. 90% der Zahlungsausfälle wurden bei Kleinstunternehmen (Umsatz kleiner EUR 500.000) registriert, die vorwiegend in der Rechtsform Gewerbe- betriebe operieren. Die betroffenen Branchen befinden sich im Gastgewerbe, im Einzel- handel, bei Umzugsunternehmen, bei Verkehr- & Lagerei sowie dem Baugewerbe (speziell Schallschutz, Dämmung gegen Kälte und Wärme). 

Unsere durchgeführte Ausfallanalyse berücksichtigt neben dem registrierten Insolvenz- verfahren auch die Eintragungen im Schuldnerregister. Das Analyseergebnis ermittelt neben den klassischen Insolvenzverfahren alle Unternehmen des Wirtschaftsraums mit dem schlechtesten Creditreform-Bonitätsindex 600 und ist somit aussagekräftiger als die statistischen Zahlen der reinen Insolvenzmeldungen. 


1. Erläuterungen zum Analyseergebnis 

Die vorliegende Untersuchung der Region Südwestfalen dient als Instrument zur Darstellung der Risikostruktur und zeigt Gefährdungspotenziale nach verschiedenen Strukturmerkmalen auf. So wird die Struktur einer Region aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um die spezifische Wirtschaftssituation darzustellen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Auf diese Weise kann herausgearbeitet werden, 

in welchen Branchen die untersuchte Region besonders insolvenzgefährdet ist und welche Rechtsformen oder Umsatzklassen mit einer hohen Ausfallrate behaftet sind. 

Datengrundlage für die vorliegende Analyse ist die Creditreform-Wirtschaftsdaten- bank mit über 4,2 Mio. Unternehmensdatensätzen. Durch eine stichtagsbezogene Selektion werden die Anzahl der Unternehmen sowie die Anzahl der ausgefallenen Firmen je Region ausgewiesen. Grundlage und Orientierungsgröße des Analysever- fahrens ist der Creditreform-Risiko-Indikator (CRI) in %, der die Ausfallwahrschein- lichkeit angibt. 

Das Vorliegen eines Ausfalls wird durch folgende Negativmerkmale angezeigt: 

- Unternehmerisches Insolvenzverfahren
-Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen
- Sonstige Insolvenzverfahren
-Nichtabgabe der Vermögensauskunft 
  (zuvor Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung)
- Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen 
  (zuvor Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung)
- Gläubigerbefriedigung nach einem Monat nicht nachgewiesen 
  (zuvor Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung) 

Der Ausfall ist mit dem schlechtesten Creditreform-Bonitätsindexes 600 vergleichbar. Der Creditreform Bonitätsindex kann einen Wert von 100 bis 600 annehmen. 

Auf Basis der über den Creditreform-Risiko-Indikator ermittelten Ausfallquoten erfolgt eine Einteilung nach sechs Risikoklassen, ähnlich dem Schulnotenprinzip. 

Je höher der Creditreform-Risiko-Indikator, desto höher ist die Insolvenzgefahr. (Rote Ampelschaltung = sehr hohes Ausfallrisiko bis grüne Ampelschaltung = sehr geringes Ausfallrisiko; siehe Grafik unten).

CRI (Creditreform-Risiko-Indikator) bemisst Ausfallquote: 

 

2. Die Risikoanalyse für Südwestfalen 

Die Tabelle 1 zeigt detailliert die einzelnen Ausfallrisiken zum 30.06.2015 der Unternehmen aus den Kreisen Südwestfalen. 

Erfreulich ist, dass die Kreise Siegen-Wittgenstein, Olpe, Hochsauerland und Soest unterhalb des bundesweiten Durchschnittswertes von 1,60% (CRI) liegen. Mit einem CRI kleiner 1,50% konstatieren wir den Unternehmen aus den IHK-Bezirken Siegen und Olpe ein „sehr geringes Ausfallrisiko“. 

Somit hebt sich Südwestfalen sogar von der Ausfallquote Nordrhein-Westfalens von 1,83% positiv ab. 

Tabelle 1: 

 

Ergänzung: 

Ein Blick auf die Karte ersetzt nie die genaue Betrachtung auf das einzelne Unternehmen und seine individuelle Bonität. 

Der oben beschriebene Creditreform-Risiko-Indikator der betrachteten Kreise berück- sichtigt den Totalausfall eines Unternehmens; also die festgestellte Zahlungsunfähigkeit durch das Insolvenzgericht oder den Gerichtsvollzieher. Ein Unternehmen ist ausgefallen wenn es den schlechtesten Bonitätsindex-Wert von 600 von Creditreform erhält. 

Der Creditreform Bonitätsindex kann einen Wert von 100 bis 600 annehmen. Ab einem Bonitätsindex größer 300 spricht man bereits von einer „schwachen Bonität“ mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit größer 5%. Zu beachten ist, dass annähernd 10% der Firmen in der Bonitätsindex-Bandbreite 300 bis 500 bewertet sind. 

Somit ist die einzelne Bonitätsprüfung von Geschäftspartnern auch bei einem positiven Regionencheck von immenser Bedeutung!

Die Ausfallwahrscheinlichkeit beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen innerhalb von 12 Monaten in eine der beiden schlechtesten Bonitätsklassen des Creditreform Bonitätsindex (500 oder 600) wandert. Diese Definition entspricht den Ausfallkriterien gemäß Basel II.

Grafik: Creditreform-Bonitätsindex mit Ausfallwahrscheinlichkeit

 

Weitere Informationen zum Regionencheck Südwestfalen finden Sie hier.