Das Ausstellungskonzept


Erstmals startete der Kunstverein Südsauerland in 2014 mit einer neuen Ausstellungsreihe, die das Motto der Region Südwestfalen aufgreift: Alles echt! und sich mit diesem Credo künstlerisch auseinandersetzt. Die erste Ausstellung widmete sich der Gegenüberstellung von Original und Kopie und stellt die Frage nach Wert, Bewertungsmaßstäben und dem Umgang mit Kopien. Hierzu wird eine multimediale Collage des Künstlers Tilo Kaiser mit den Kopien ausgestellt, die hiervon in Asien hergestellt wurden. Das Besondere: Die Kopisten haben das Original niemals im Original gesehen...
 
Zum Ausstellungskonzept "Kopie - Alles echt!"
aus Sicht des Künstlers Tilo Kaiser

Das Kopieren von Kunst, Markenprodukten und Luxusgütern ist seit langem ein brisantes Thema. Es spaltet die Geister und selbst unter den Experten gibt es die unterschiedlichsten Meinungen darüber, wie man mit qualitativ hochwertigen Kopien umzugehen hat. Teilweise werden Kopien sogar von den Besitzern hochwertiger Kunstwerke geordert und aus Sicherheitsgründen gegen die Originale ausgetauscht, die dann in Tresoren verschwinden.
Neu entfacht ist die Diskussion mit dem schnellen Aufstieg der Schwellenländer, hauptsächlich im fernen Osten, und den rapiden Fortschritten in den Bereichen der Materialentwicklung und Computertechnologie und Re-Produktionsgeschwindigkeiten von Gütern aller Art. Oft höre ich unter meinen Künstlerkollegen von der Angst, möglicherweise auch bald von Kopien überschwemmt zu werden.

Geprägt von Angst und häufig verbunden mit viel Unwissenheit schauen wir hautsächlich nach China, auf der Suche nach den Schuldigen. Dazu kommt die laxere Interpretation und Handhabe internationaler Urheberrechtsgesetze und –richtlinien in vielen Schwellenländern, die Künstler aller Kunstformen (bildenden Kunst, Musik, Film, Graphik, Photographie etc.) und Hersteller von Markenprodukten um ihre Arbeit bangen lassen.Im Fahrwasser dieser Diskussion stellen sich viele Fragen, die ich mit meinem Projekt gerne anschneiden und beleuchten möchte.

Die Grundsatzfrage: Kann man Kunst kopieren?

An erster Stelle steht die Frage der Kopierbarkeit. Kann man zeitgenössische, abstrakte, expressionistische Multi-media-Kunst kopieren? Und wenn ja, wie gut? Anders als bei vielen Produkten der Luxusgüter- und Markenartikelbranche sind Kunstwerke meist Unikate, die keinem festen Produktionsablauf unterliegen. Jedes Werk ist anders. Die Kopien müssen daher in Einzelfertigung hergestellt werden, was neben einem grösseren Zeitaufwand auch mit höherer Unsicherheit und Variabilität des Ausstosses verbunden ist.
Muss man sich heute als Künstler, aber auch als Sammler Gedanken machen und Angst haben, dass es irgendwann eine Flut der eigenen/gesammelten Arbeiten aus China geben wird/kann, die uns überrollen kommt? Und falls das der Fall ist, wie sollte man darauf reagieren?
Ist das Kopieren schlecht? Es gibt mittlerweile Hersteller von  Luxusgütern, die einen “kontrollierten” Markt an Kopien zulassen und dies eher als ein PR und Marketing Tool zur Erweiterung des eigenen Bekanntheitsgrades mit in ihre Strategien einbauen, als sich, wie zuvor, vehement und gerichtlich gegen die Herstellung und Verbreitung von Kopien zu wehren. Wäre solch ein Ansatz nicht auch für Künstler vertretbar, um dem eigenen Bekanntheitsgrad, Wiedererkennungsgrad und damit evt. auch Marktwert zu erhöhen? Andere sehen es als ein Kompliment, kopiert zu werden. Es wird heftig argumentiert, dass derjenige, der sich das Original leisten kann, sich nie mit einer Kopie zufrieden geben wird. Das ist bei Luxusgütern genauso der Fall wie in der Kunst. Wenn ich mir das Original eines Künstlers leisten kann, gibt es keinen Grund mehr, das Poster einer Reproduktion des gleichen an die Wand zu hängen. Kann ich das aber nicht, hilft mir die Reproduktion dabei, mich auf das Original zu freuen.

Das Ausstellungskonzept: Was, wenn die Kopien besser sind, als das Original?

Ich möchte es ausprobieren; und mit meinem Projekt versuchen, für meine Arbeit eine Antwort auf die o.a. Fragen zu finden! Dabei stelle ich meine Arbeit, meine emotionale Bindung zu dieser Arbeit, die sehr persönlich ist, sowie auch deren kommerziellen Wert in Frage. 
Ich sende die Reproduktion (A4-Photo) einer meiner Arbeiten an 15-20 Maler und Künstler in China, Thailand und evt. Vietnam, mit dem Auftrag, diese so originalgetreu wie möglich zu kopieren und dann an mich zurück zu senden. Das Original bekommen die Künstler dabei nie zu sehen (wie auch die Kopierer der Mona Lisa diese nie im Original vor sich hatten), wir treffen uns nie und die Transaktion bleibt ähnlich anonym wie bei der industriellen Reproduktion von Markenartikeln. Die kopierenden Künstler sind zum grossen Teil geschulte Maler mit akademischer Ausbildung und mehr oder weniger eigenständiger Karriere, die sich ihr Einkommen mit dieser Art Tätigkeit aufbessern. Ausstellen möchte ich dann das Original und 10-15 Kopien der unterschiedlichsten Güteklassen, Herkünfte und Qualitäten. Ich möchte sehen, in wie weit das Kopieren einer Multi Media Kollage möglich ist, ich möchte sehen, wie ich mich fühle, wenn die Kopien möglicherweise in ihrer Eigenständigkeit besser sind als das Original.


Weitere Informationen zum Künstler gibt es unter: www.tilokaiser.com.
Hier finden Sie den Ausstellungskatalog "Alles echt".