Netzwerken im Galopp

Um ein Großevent wie das Balve Optimum zu stemmen, braucht es viel Energie, gute Nerven und regionale wie internationale Kontakte. Das alles hat Managerin Rosalie von Landsberg-Velen – dazu glaubt sie fest an die Zukunftsfähigkeit des familiär gewachsenen Spitzensport-Projekts.

 


Frau von Landsberg-Velen, vor geraumer Zeit waren Sie in Miami. Waren Sie dort privat oder geschäftlich unterwegs?

von Landsberg-Velen: Ich war dort, um mir anzuschauen, wie über drei Monate ein Dauerturnier durchgeführt werden kann. Unter der Sonne Floridas trifft sich dort die gesamte Reitsportwelt; angesiedelt in 600 privaten Farmen rund um ein Turnierareal von mindestens 20 Reitplätzen, auf denen täglich nationale und internationale Prüfungen stattfinden. Es ist für uns wichtig zu wissen, wo der Trend grundsätzlich hingeht und wie wir uns in Zukunft aufstellen müssen, um in der Turnierlandschaft attraktiv zu bleiben. Also eher eine geschäftliche Reise, die aber auch angenehme Begleiterscheinungen mit sich brachte.


Neben einem dichten regionalen und deutschlandweiten Netzwerk verfügen Sie inzwischen auch über zahlreiche internationale Kontakte. Wie wichtig sind diese für ein Großevent wie Balve Optimum?

von Landsberg-Velen: Die Turnierszene hat sich in den letzten Jahren verlagert. Die großen Gewinngelder gibt es nicht mehr auf den deutschen Turnierplätzen zu gewinnen, sondern im europäischen Ausland beziehungsweise in Amerika und Arabien. Die Topreiter orientieren sich selbstverständlich an diesen Veranstaltungen. Ich bin stetig darum bemüht, neue Kontakte zu knüpfen, um eventuell mit Hilfe von ausländischen Sponsoren unser Niveau zu halten oder vielleicht auch zu verbessern. So käme ich meinem Traum, irgendwann einen Großen Preis mit 300.000 Euro ausschreiben zu können, vielleicht ein Stückchen näher. Dann wären die internationalen Spitzenreiter alle in Balve.


Inzwischen steht fest, dass Balve weiterhin der Austragungsort der Deutschen Meisterschaften bis zum Jahr 2020 bleibt. Von welchen Kriterien macht die Deutsche Reiterliche Vereinigung dies abhängig?

von Landsberg-Velen: Es gibt keine feststehenden Kriterien für die Nominierung einer Deutschen Meisterschaft. Wir haben sehr zukunftsorientiert unsere baulichen Maßnahmen eingesetzt und die Bedingungen für Reiter, Pferde und Zuschauer stetig verbessert. Dies wurde seitens der FN wohlwollend honoriert. Es gab auch weitere Anwärter für die Deutschen Meisterschaften, doch die FN war wohl der Ansicht, dass es manchmal ratsam ist, sich auf Altbewährtes zu besinnen. Wir haben in all den Jahren bewiesen, dass wir absolut in der Lage sind, professionelle Deutsche Meisterschaften hier in Balve durchzuführen.


Seit Jahren kommen mehr als 20.000 Zuschauer zum Turnier nach Balve und Sie erhalten viel Lob von den besten Reitern der Welt für die ausgezeichneten Bedingungen. Was ist heute nötig, um allen Beteiligten ein Event auf höchstem Niveau zu bieten?

von Landsberg-Velen: Nie stehen bleiben. Immer weiter nachdenken über Verbesserungen, Innovationen und Erneuerungen. Unser Ziel ist es, die Veranstaltung permanent zu optimieren. Letztendlich ist es natürlich immer wieder eine Frage des Geldes. Bisher haben wir ohne jegliche öffentliche Gelder all das geschaffen, was die Anlage heute bietet. Darauf sind wir sehr stolz.


Sie haben bereits an der Seite Ihres inzwischen verstorbenen Vaters viel dazu beigetragen, das Balve Optimum nicht nur größer, sondern zu einer eigenen Marke zu machen. Wofür steht diese heute?

von Landsberg-Velen: Auf meiner Visitenkarte steht das Motto „Zukunft braucht Herkunft“ und ich finde, dass es inhaltlich fantastisch zum Balve Optimum passt. Die lange Tradition dieser Veranstaltung über mittlerweile 67 Jahre steht für Kontinuität und Stabilität. Mein Vater hat die reitsportliche Top-Qualität ins Sauerland geholt und immer daran geglaubt, obwohl es wirklich schwere Zeiten gab: Schnee im Stadion und auf den Hindernissen; Wetterkapriolen mit sintflutartigen Niederschlägen und einem Reitplatz, der in einen Teich verwandelt wurde. Die gewachsenen Strukturen verleihen dem Optimum sein ganz eigenes Gesicht – die familiäre Atmosphäre bei wachsender Professionalität ist das Markenzeichen der Veranstaltung.


Ihr erklärter Anspruch ist es, Sport, Kultur und Wirtschaft im Rahmen des Balve Optimum zusammenzuführen. Wie nähert man sich dieser Mammutaufgabe?

von Landsberg-Velen: Es war immer schon ein großes Anliegen, aus dem Optimum ein Event zu machen – einen Treffpunkt für Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, mit oder ohne Pferdeinteresse. Um dies zu erreichen, benötige ich ein großes Netzwerk mit interessanten Menschen und die richtigen Tools, um diese zu begeistern. Neben dem internationalen Reitsport bieten wir zahlreiche Unterhaltungsmomente – vom Showabend am Samstag über eine Lifestyle-Shopping- Meile, einen Discoabend sowie einen Schlossempfang für Reiter und Sponsoren bis hin zum mittlerweile berühmten Kinderdorf. Weiterhin organisieren wir Charity-Veranstaltungen und ein Wirtschaftsforum, welches seit zehn Jahren im Schloss Wocklum mit hochkarätigen Podiumsgästen besetzt wird. Gerade für unsere heimischen Unternehmer ist das ein sehr attraktiver Treffpunkt.


Mit einem Budget von rund 1,2 Millionen Euro spielt das Balve Optimum zumindest in der Region in einer eigenen Liga. Wie kalkuliert man die finanzielle Basis für eine solche Veranstaltung?

von Landsberg-Velen: Es gibt mittlerweile ein Budgetkonzept mit vielen feststehenden Posten. Dann kommen immer wieder neue Kosten hinzu; sei es aufgrund baulicher Maßnahmen, Werbemaßnahmen, erhöhter Gewinngelder oder auch erhöhter Sicherheitsvorschriften. Da die Sponsorengelder 70 Prozent unserer Veranstaltung ausmachen, ist diese Variable natürlich die wichtigste, aber auch die sensibelste Größe im gesamten Konstrukt.


Ist die Überzeugungsarbeit, die Sie leisten müssen, um Sponsoren Jahr für Jahr für das Turnier zu begeistern, inzwischen ein Ganzjahresprojekt?

von Landsberg-Velen: Absolut – und streng genommen reicht ein Jahr schon nicht mehr aus. Eigentlich habe ich in Köln Sport studiert, aber mit meiner Aufgabe bin ich mehr und mehr eine echte Vertrieblerin geworden. Gott sei Dank für ein großartiges sportliches Produkt. Wenn neue Sponsoren den Wert der Veranstaltung für unsere Region erkennen und der Funke der Begeisterung auf sie überspringt, sind das echte Glücksmomente für mich. Wir haben diese Traditionsveranstaltung wachsen lassen, und sie soll natürlich auch in Zukunft weiter bestehen.


Neben der Reitanlage in Wocklum betreibt die Familie noch das Sportschloss Velen, Sie sind außerdem Mutter von zwei Töchtern und haben viele alltägliche Verpflichtungen. Wofür hätten Sie gern mehr Zeit?

von Landsberg-Velen: Mein Traum wäre es, mal wieder selbst auf dem Pferd zu sitzen. Vor etlichen Jahren, als ich noch ritt, blieb mein Pferd jedes Mal abrupt aus dem Galopp stehen, wenn das Handy klingelte. Daraufhin habe ich das Pferd gegen die Laufschuhe gewechselt. Privat- und Berufsleben lassen sich bei mir nicht trennen; dafür hatte ich zu lange meinen Vater als Vorbild. Ich habe meine Aufgaben, Ziele und Ideen immer präsent. Doch etwas mehr Zeit für meine Kinder und Freunde wäre sicherlich wünschenswert. Vielleicht gelingt es mir, wenn ich eines Tages den Sponsor gefunden habe…


Das Interview ist im Jahr 2015 im "Südwestfalen-Manager" erschienen. Vielen Dank für die Bereitstellung.