34 junge UnternehmensgründerInnen stellen in Siegen ihre Ideen vor. Die besten Erfindungen werden im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „START-UP Innovationslabor Südwestfalen“ der Uni Siegen und der FH Südwestfalen gefördert.

Drei junge GründerInnen sitzen auf den Treppenstufen im Nachtclub Wolkenkuckucksheim in Siegen. Zwei von ihnen in lockeren Pullis, auf denen groß das Logo ihres Unternehmens prangt, einer mit Drei-Tage-Bart und Jeans-Hose. Konzentriert gehen sie immer wieder ihre Karteikarten durch. Um sie herum leere Bierkästen, die zu Stühlen umfunktioniert sind und große Fässer, die als Stehtische dienen. Gleich startet der 1. Siegener Scouting Pitch. Insgesamt 34 GründerInnen aus 16 Start-Ups treten an. Der Scouting Pitch ist Teil des Gemeinschaftsprojekts START-UP Innovationslabor von der Universität Siegen und der Fachhochschule Südwestfalen (Standorte Soest, Hagen, Meschede).

Landrat Andreas Müller eröffnet den Abend. „Meine erste Feststellung: Ich bin im falschen Outfit gekommen“, begrüßt Müller im Anzug mit Krawatte das Publikum. „Siegen ist eine Stadt der Ideen und Möglichkeiten. Viele Weltmarktführer können in den nächsten Jahren hinzukommen“, sagt er. Der Nachtclub ist voll, die Anspannung der GründerInnen spürbar. Für sie geht es an diesem Abend um viel. Vor einer Fachjury aus VertreterInnen der Wirtschaft und Wissenschaft präsentieren sie ihre Geschäftsideen und Erfindungen. In der Start-Up-Szene heißt das „Pitch“. Vier Minuten haben sie dafür Zeit, keine Sekunde länger. Danach müssen sie sich den Fragen der Jury stellen. Die Besten gewinnen und bekommen in der ersten Phase ihrer Unternehmensgründung ein Jahr lang die Chance, von ExpertInnen zu lernen, zu netzwerken, sich zu präsentieren und ihre Idee voranzubringen.

Kreative Ideen ohne Grenzen 

Als Elfesya Canimana und Matthias Ly die Bühne betreten, läuft im Hintergrund ein Musikvideo. Die beiden GründerInnen haben eine Online-Plattform namens TIC für Tonstudios und Musikproduktion entwickelt. Im Sommer geht die Seite online, danach soll eine App folgen. Ihre Idee: Sie möchten MusikerInnen ohne Plattenvertrag und ProduzentInnen, die zeitweise Leerstand in ihrem Studio haben, zusammenbringen. Bisher nutzen viele Tonstudios das Portal „ebay Kleinanzeigen“, um ihr Studio zeitweise zu vermieten, erzählt Elfesya Canimana. „Hey, wenn wir mal zusammenarbeiten wollen, findest du mich auf ‚ebay Kleinanzeigen‘. Das hört sich weder toll an noch ist es effizient“, erklärt die junge Gründerin. „Wir wollen das ändern und diese Marktlücke endlich schließen.“

Nils Rehkop und Tobias Seifert vom Unternehmen Plantastisch haben einen Prototypen mitgebracht, den sie auf die Bühne tragen: Unten ein Fischtank aus Holz, oben ein grünes Kräuterbeet. Die Fische wässern und düngen das Beet, ohne dass der Hobby-Gärtner gießen muss. Heimaquaponik nennt sich ihr Produkt. Ihr Start-Up liefert Lösungen für einfache Pflanzenzucht in urbanen Gebieten mit dem Ziel, nachhaltig und ökologisch zu leben, ohne einen grünen Daumen zu haben.

Die Ideen am Mittwochabend kennen keine Grenzen: Hochleistungsbeton, aus dem man sogar Bierkrüge herstellen kann, größenverstellbare Rucksäcke, Messgeräte zur Feinstaubmessung, ein Armband mit Notrufmeldesystem oder kleine piepsende Metalldetektoren, die das Entfernen von Schrauben in Knochen während einer Operation enorm erleichtert.

Alle GründerInnen stammen aus Südwestfalen, studieren teilweise noch und stehen zum jetzigen Zeitpunkt am Anfang ihrer Unternehmerkarriere. Sie erhoffen sich von dem aus Landes- und EU-Mitteln gefördertem Projekt einen deutlichen Wachstumsschub in kurzer Zeit. Alle GründerInnen haben konkrete Vorstellungen über ihr entwickeltes Produkt, aber dennoch einen hohen Beratungsbedarf, wenn es um Themen wie Marketing, Vertrieb oder die Finanzierung ihrer Ideen geht. Hier wird das Team des „InnoLab“ in den nächsten 12 Monaten engmaschig die Gründer begleiten und mit ihnen daran arbeiten, so dass aus innovativen Ideen auch stabile Geschäftsmodelle werden.

Die glücklichen TeilnehmerInnen des diesjährigen InnoLab-Programms sind:

  • Tim Nehring, Guido Albers, Jannik Becher, Kavin Japes (DEPULVIS)
  • Nils vom Brocke (VolPort)
  • Doris Korthaus (KD Pumpen)
  • Nils Benjamin Rehkop, Tobias Seifert, Rolf Morgenstern, Jan Bunse, Maximilian Schweinsberg (Plantastisch UG & Co. KG)
  • Marlon Besuch, Michael Hummels (Lifeguard)
  • Elfesya Canimana, Matthias Ly GbR (TIC)
  • Nils Saßmannshausen, Jan Rebling (Hochleistungsbeton)
  • Viktoria Frank, Jendrik Wiegard (Shell4Cell)
  • Björn Mauersberger, Michael Klaas (susatu GmbH)
  • Mike Olech und Atilla Aldemir (some.one)

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle: Start-up-Innovationslabor Südwestfalen, Stand: 22. Mai 2018