Peter Prange - Von Altena in die Regale der Welt

Paris, London, Rom, Wien, Istanbul – dorthin entführt Peter Prange die Leser seiner Romane. Er kennt diese Weltstädte mit Charme und Flair. Sein Herz schlägt aber für eine Kleinstadt im Märkischen Sauerland: Altena!  

"Das Wichtigste, was man als Autor kennen muß, sind Menschen."

Hier wird Peter Prange 1955 geboren – als Sohn von Ernst und Christel Prange. Mit diesen Namen verbinden Altenaer jahrzehntelang eines: nämlich Betten! Kaum einer, der nicht bei „Betten Prange“ seine Matratzen, Kissen und Decken kauft – oder zumindest den Laden in der Freiheitsstraße kennt. Mit dem familieneignen Bettenhaus verbindet Peter Prange viele Kindheits- und Jugenderinnerungen. Die Werbeslogans von damals haben sich tief in sein Gedächtnis eingegraben: „Sie können fragen, wen Sie wollen – auf Betten Prange ist Verlass!“ oder: „Betten von Prange – morgens geholt, abends gebracht!“  Mit sieben darf er dann zum ersten Mal Papa Ernst beim Ausliefern begleiten. Rückblickend ist Peter Prange klar: „Die Grundausbildung meiner schriftstellerischen Tätigkeit habe ich im Bettenhaus meiner Eltern erfahren. Denn das Wichtigste, was man als Autor kennen muss, sind Menschen.“  

Bei den abendlichen Lieferfahrten gibt es dazu viele Gelegenheiten. Noch heute erinnert sich der 57-Jährige gerne daran: „Kaum steht man im Schlafzimmer, um die Betten aufzubauen, entwickelt dieser Ort einen gewissen „Genius loci“, eine eigene, intime Atmosphäre, die einen ruckzuck Grenzen überschreiben lässt und man führt Gespräche, die man sonst nur unter guten Bekannten führt.“ Da erzählt zum Beispiel die sonst biedere und korrekte Ehefrau freizügig davon, dass ihr Mann mit nacktem Oberkörper schläft, sie aber schnell friert … und sie sich deshalb immer die Füße zwischen den Beinen ihres Gatten wärmt. 

Oft wird das Anliefern und Aufbauen „eine lange Geschichte“ – nach getaner Arbeit wird bei einer Flasche Bier für Vater Ernst und einer Fanta für Sohnemann Peter noch lange geredet. „Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich durch diese Schule des Lebens gegangen bin und nicht nur durch die der Universität und der akademische Welt!“, resümiert Peter Prange mit einem spitzbübischen Lächeln. 

"Altena werde ich immer als mein Zuhause empfinden!"

Als Teenager liebt er es, die Lennestraße rauf und runterzulaufen und nach den Mädchen zu gucken. Denn auf solche netten Anblicke muss er während der Schulzeit verzichten: Das Burggymnasium ist damals nämlich ein reines Jungengymnasium. Nach dem Abitur, Mitte der 1970er-Jahre, verlässt Peter Prange Altena und geht zum Studium. Romanistik, Germanistik und Philosophie sind seine Fächer. Unter anderem studiert er in Paris. Tübingen wird seine Wahlheimat. Hier lebt er mittlerweile schon länger als in seiner Geburtsstadt. Und trotzdem: Wenn er von seinem „Zuhause“ spricht, dann meint er auch heute noch Altena. „Ich bin hier zuhause und werde Altena immer als mein Zuhause empfinden!“ 

Verständlich – denn schließlich leben Mutter Christel und Schwester Cornelia immer noch in der Burgstadt. Aber das ist es nicht allein: „Zu jedem Haus hier hab ich eine Geschichte – eine Querverbindung zu anderen Menschen. Die Verbundenheit untereinander, das schätze ich so!“ Sogar in seinen Romanen taucht hin und wieder seine Heimatstadt auf. Aus der Burgstadt kommt auch die Inspiration für ein ganz besonderes Buch, das er Anfang des Jahres veröffentlicht: „Platz da, ich lebe! Ein Haus zum Sterben voller Leben“ mit Berichten und Interviews über die Kinder und Jugendlichen des Hospizes Balthasar in Olpe. Der Altenaer Ulrich Weißpfennig lädt ihn ein, sich die Arbeit dort anzuschauen. Mit gemischten Gefühlen fährt Prange hin. „Ich hatte ziemlich Schiss, weil ich nicht wusste, wie gehe ich mit Kindern und Jugendlichen um, die schon vom Tod gezeichnet sind!“  Die Hospizgäste und die Mitarbeiter zeigen ihm aber schnell, dass man ganz „normal“ und „natürlich“ miteinander umgehen kann. 

Heute ist der Autor unendlich dankbar für die Begegnungen im Hospiz Balthasar. Er hat dort viel gelernt – vor allem über das Leben! „Wie sie mit dem Gut ‚Leben‘ umgehen, mit welcher Achtsamkeit; immer in dem Bewusstsein, dass jeder Tag, jeder Augenblick zählt  – das hat mir wieder die Lebensfreude zurückgegeben, die ich in meinem verwöhnten Leben oft verloren habe.“ 

Ja, das Leben meint es gut mit ihm: über 2,5 Millionen verkaufte Bücher, die in 24 Sprachen übersetzt wurden.  Aber auch privat läuft es gut: Seit mehr als 20 Jahren ist Peter Prange „glücklich gegen eine Türkin verheiratet“  –, so formuliert er es auf seiner Homepage. Mit Serpil hat er eine erwachsene Tochter.  

Der Autor kommt "hier wech" - sein Herz schlägt für das Sauerland!

Auch wenn sich seit Jahrzehnten der Großteil seines Lebens in Tübingen abspielt, ist er immer bestens informiert, was in Altena vor sich geht. Dass Bürgermeister und Rat die Burg endlich als „größtes Pfund“ entdeckt haben, auf attraktiven Tagestourismus setzen wollen und es einen Burgaufzug geben soll, das findet Prange „einen guten, klugen Weg“. Altena hat sowieso nie an Attraktivität für ihn verloren! Er ist richtig stolz auf seine Sauerländer Heimatstadt – und gibt gerne mit ihr an! 

„Á la Günther Jauch frage ich: „Wo steht die erste Jugendherberge der Welt? A) in London B) in Siéna oder C) in Altena?“ Und dann komme ich ganz groß raus!“ Auch vom Altenaer Schützenfest schwärmt er gerne. Hier hat er ein ganz besonderes Erlebnis, das ihm seinen „persönlichen Ruhm als Bestsellerautor“ in seiner Heimatstadt vor Augen führt. „Hinter mir im Festzelt hörte ich Getuschel. Sagt der eine zum anderen: ‚Guck mal, da! Der Schriftsteller!‘ Sagt der Kumpel: ‚Hä? Wer?‘ Der andere: ‚Ja da! Der Sohn vom Betten-Prange!‘ ‚Ja, sag DAS doch gleich!‘“, erinnert sich Peter Prange und fängt schallend an zu lachen. Die Geschichte ist ein paar Jahre her. Heute, wo das „Bettenhaus Prange“ längst Geschichte ist, verbinden die Burgstädter den Namen „Prange“ dann doch eher mit Büchern als mit Betten. 

Denn Peter Prange ist häufig in Altena, ganz offiziell. Kurz nach Erscheinen eines neuen Romans präsentiert er ihn in seiner Heimatstadt. Zuletzt Anfang Oktober: „Der Kinderpapst“. Mehr als 100 Besucher kommen in die Burg Holtzbrinck – einige davon kennt er noch aus Kindertagen. Und mit so manchem werden beim Signieren der Bücher alte Anekdoten ausgetauscht. Dass der Erfolgsautor hier „wech kommt“, hört man übrigens immer noch an seiner Sprache. Das weiß er und dazu steht er. Denn: Peter Prange ist und bleibt eben ein Altenaer Junge! Oder, um es mit der Sauerland-Hymne zu sagen: Sein Herz schlägt für das Sauerland!

Mehr von Peter Prange, etwa eine Auswahl seiner veröffentlichten Bücher, findet man auch im Netz: www.peterprange.de

Quelle: Der Artikel ist erschienen im Magazin "MK Lifetime" (06/2012). Autor: Sabine Langenbach.